Französische Modemarke Lacoste kämpft mit neuen Logos gegen das Aussterben bedrohter Tierarten

Seit 85 Jahren ziert das berühmte Krododil die ikonischen Polo-Shirts von Lacoste und ist damit eines der bekanntesten Markenlogos der Welt. Zum ersten Mal in der Geschichte der französischen Modemarke will sich die Image-Marke nun verändern. Aber keine Sorge: Das Ganze ist nur für die Dauer einer Werbekampagne gedacht – und für einen guten Zweck. Die Shirts sind bereits restlos ausverkauft. Spenden kann man allerdings trotzdem noch.

Lacoste vom Aussterben bedrohte Tierarten

LACOSTE. SAVE OUR SPECIES

„Save Our Species“ heißt die globale Kampagne, die Lacoste gemeinsam mit der Internationalen Union für die Erhaltung der Natur und der natürlichen Ressourcen (IUCN) auf das weltweite Artensterben aufmerksam machen will. Neben dem legendären Krokodil-Logo hat die Marke zusammen mit der Agentur BETC Paris die Motive von zehn der weltweit am stärksten bedrohten Tierarten für insgesamt 1775 weiße Polohemden aufgegriffen.

TRAURIG: ANZAHL DER LIMITIERUNG ENTSPRICHT DER ANZAHL DER TIERE

Das „Highlight“ der limitierten Polos: Die Anzahl der Shirts entspricht der Restgröße der Population jeder Art. Zum Beispiel stellte Lacoste insgesamt 30 Shirts mit dem kalifornischen Schweinswal auf der Brust her, weil laut IUCN nur noch 30 lebende Tiere übrig sind. Es gibt 450 lebende Exemplare des schuppig-kriechenden Cyclura pinguis, also stehen 450 Polos zum Verkauf.

vom aussterben bedrohte tieraten werden auf polos gestickt.png

INNERHALB VON WENIGEN STUNDEN AUSVERKAUFT

Die Kollektion wurde letzte Woche auf der Pariser Fashion Week präsentiert. Die Polohemden waren nur ein paar Tage im Lacoste Online-Shop erhältlich – und sind inzwischen bereits ausverkauft. Kosten: 150 Euro pro Stück. Der Erlös kommt dem Programm „Save Our Species“ von IUCN zugute.

Werbeanzeigen

Neuseeländer zahlt Angestellten zehn Dollar pro Tag zusätzlich, wenn sie mit dem Fahrrad kommen

Weil er selbst gern Fahrrad fährt und daran glaubt, dass Menschen durch sportliche Aktivität effizienter arbeiten, hat Tim Chesney, Leiter einer Werbeagentur in Christchurch, Neuseeland eine spezielle Aktion für seine Mitarbeiter entwickelt. Diese macht nun weltweit Schlagzeilen.

„Ich selbst bin ein begeisterter Radfahrer, und Bargeld ist eindeutig der beste Anreiz“, so Chesney, der seine Idee damit auf den Punkt bringt: Chesney ist überzeugt, dass das Radfahren am Morgen Auswirkungen auf die Arbeitsleistung hat. Zugleich nützt es der Umwelt. Als Arbeitgeber möchte er das Pendeln mit dem Rad subventionieren, – und seine Angestellten entlohnen, wenn sie mit dem Fahrrad zur Arbeit kommen.

edward-manson-84261-unsplash.jpg
Foto: Edward Manson / unsplash.com

Einmal mit dem Fahrrad ins Büro der Werbeagentur und nach getaner Arbeit wieder zurück. Das sind zusätzliche fünf Dollar pro Tag. Wer die Radl-Routine länger als ein halbes Jahr lang durchhält, bekommt sogar zehn Dollar am Tag. Der Bonus wird am Ende des Jahres ausgezahlt.

BIS ZU 2.500 DOLLAR IM JAHR MEHR VERDIENEN

Seine sechs Mitarbeiter waren anfangs wenig begeistert von der Idee, denn in der Werbeagentur gibt es keine Duschen. Aber schließlich konnten fünf der sechs dem Geld nicht widerstehen. Denn für 250 Arbeitstage im Jahr radeln sind das 2.500 Dollar mehr.

„Bisher macht es Spaß“, sagt Entwickler Elliot Gilmore. Während es eine Herausforderung ist, sich von der sportlichen Anstrengung im Büro zu erholen, „muss ich trotzdem etwas für meine Gesundheit tun, und das ist besser als eine Mitgliedschaft im Fitnessstudio.“ Gilmore fährt morgens durch einen Park, sieht Leute, die Enten füttern oder Bücher lesen. „Das ist etwas anderes als nur darauf zu warten, dass die Ampeln grün werden. Es macht etwas mit Deiner Lebensqualität.“

Tim Chesney aus Neuseeland zahlt seinen Mitarbeitern Geld fürs radeln
Elliot Gilmore und Tim Chesney / Foto: Joseph Johnson / Stuff

Christchurch rühmt sich mit der Stadt mit den meisten Radfahrern in Neuseeland. Es gibt bereits ein Streckennetz von 13 Radwegen, weitere sollen folgen.

 

Diese portugiesischen Teppiche aus gewebter Korkeiche erobern das Parkett

Einer der wichtigsten Rohstoffe Portugals ist Kork. Das natürliche und nachhaltige Material wächst vor allem im südlichen Portugal und kommt traditionell in vielen verschiedenen Bereichen zum Einsatz. Kork wird aus der Rinde der Korkeiche gewonnen, die außer viel Licht und warmen Temperaturen nicht viel zum Leben braucht und so im Süden Europas wie von selbst wächst und gedeiht. Ein Baum liefert im Laufe seines Lebens zwischen 100 und 200 Kilogramm Kork, der als dicke Rindenschicht am Stamm entsteht. Kork wächst schnell nach und wird dort von Fachleuten geerntet, um den Baum nicht zu verletzen.

Nicht nur vor Ort findet der Kork allerlei Verwendung, er ist auch eines der meist exportierten Güter Portugals. Das kleine, export-orientierte Land hat sich einen Namen als weltweit größter Produzent gemacht.

TRADITIONELLE WEBTECHNIKEN UND NATÜRLICHES MATERIAL

Die Marke Sugo Cork Rugs macht Teppiche aus Kork. Hier werden zwei verschiedene, klassisch portugiesische Schwerpunkte vereint, denn Portugal ist auch für seine Teppichindustrie weltweit bekannt, einige traditionelle Herstellungstechniken sind bis heute verbreitet.

sugo-cork-rugs-cork-rugs-ona680-3-960x640

Sugo Cork Rugs gehört zur Firma TD Cork – Tapetes Decorativos com Cortiça (deutsch: dekorative Teppiche mit Kork) und wurde von Amorim Cork Ventures gegründet, die wiederum zur Corticeira Amorim gehört, dem weltweiten Marktführer.

Die Teppiche sind nicht nur aufgrund ihrer Materialeigenschaften etwas Besonderes: Bei der Herstellung greift Sugo auf traditionelle Webtechniken zurück. „Wir hatten Lust, einmal andere Rohmaterialien zu benutzen und ökologische Materialien zu verwenden. Es musste ein Material sein, das mit dem traditionellen Webstuhl verarbeitet werden kann“, erklärt Designerin Susana Godinho, die das Start-up zusammen mit Sónia Andrade leitet. Die Designerin betont, wie wichtig die Unterstützung von Amorim Cork Ventures war – beim Aufbau der Produktionslinie, für die Herstellung von Prototypen und die der ersten Kollektion, die nun auf dem Markt erhältlich ist.

sugo-cork-rugs-cork-rugs-ona680-6-960x640.jpg

„Als wir den Vorschlag von Sugo vorliegen hatten, war uns sofort klar, dass wir es mit einer Idee zu tun hatten, die großes Potential für den internationalen Markt hatte, für den wir auch normalerweise produzieren“, bestätigt der Vize-Präsident von Amorim Cork Ventures, „Ein gewebter Korkteppich war etwas, was es noch nicht gab.“

VIELSEITIGE MATERIALEIGENSCHAFTEN MACHEN KORK FAST UNIVERSELL EINSETZBAR

Die Teppiche sind vielseitig und funktional. Die Einarbeitung von Kork gibt ihnen neue, wertvolle Eigenschaften wie zum Beispiel bessere thermische und akustische Isolation, mehr Komfort und antiallergische Beschaffenheit, die bei den vorher hergestellten, einfach gewebten Teppichen nicht vorhanden war. Kork bringt einen Mehrwert für die neue Marke, seine natürlichen Charaktereigenschaften bieten ausschließlich Vorteile. So ist der Korkteppich besonders leicht, gleichzeitig aber robust und haltbar, und er übersteht auch die von feuchter Meeresluft geprägten portugiesischen Winter.

sugo-cork-rugs-cork-rugs-ona680-12.jpg

Zur Herstellung wurden zwei traditionelle Webstühle angeschafft, an denen von Hand gewebt wird. Neben Kork werden auch portugiesische Wolle und Baumwolle verarbeitet, die bei großen industriellen Produktionen übrig geblieben sind. Das Start-Up vereint so Handarbeit mit natürlichen Materialien und findet zudem Verwendung für Produktionsreste, die anderswo weggeworfen werden würden.

Die portugiesische Korkindustrie hat 2016 mit einem neuen Export-Rekord abgeschlossen – nicht zuletzt, weil Kork aufgrund seiner Nachhaltigkeit weltweit noch bekannter und beliebter geworden ist.

Im chinesischen Shandong geht die allererste Solar-Autobahn der Welt an den Start

Die Idee der „Sonnenstraßen“ wurde bisher von vielen Kritikern als unpraktisch abgetan. China hat das nicht daran gehindert, vor einigen Wochen die erste Sonnenstraße, also eine mit Solarzellen ausgelegte Fahrbahn, zu testen, die sich in die Riege von Experimenten und Pilotprojekten aus Frankreich, den Niederlanden und anderen Ländern einreiht.

Solar Highway China 2
cleantechnica.com

In Jinan, der Hauptstadt der nordostchinesischen Provinz Shandong, wälzt sich der Verkehr nun über eine Schnellstraße, die laut staatlichem CCTV Strom durch Sonnenenergie erzeugt. Die Teilstrecke zieht sich über fast zwei Kilometer und besteht aus drei Schichten: Transparentem Beton auf der Oberseite, Photovoltaikplatten in der Mitte und eine Schicht Isolierung auf der Unterseite. Die Fläche des Belages beträgt insgesamt 5.875 Quadratmeter und ist anhand des transparenten Betons gut zu erkennen.

Solar Highway China.jpg
slate.com

WELTWEITER TREND DER SOLARBESTÜCKUNG VON STRASSEN

China rechnet das Projekt als weltweit erste Photovoltaik-Autobahn ab. Ende 2016 eröffnete eine Gemeinde in Frankreich die erste Solarstraße der Welt, die ungefähr die gleiche Länge wie Chinas neuer Abschnitt hatte, obschon es ungefähr die Hälfte der Fläche bedeckte. Im Jahr 2014 haben außerdem die Niederlande einen Radweg mit Sonnenkollektoren gebaut.

JINAN-TEILSTÜCK

Der Jinan-Abschnitt umfasst zwei Fahrspuren und zusätzlich eine Notfallspur und ist laut Zhang Hongchao, einem von CCTV befragten Projektentwickler und Experten für Verkehrstechnik an der chinesischen Tongji-Universität, sowohl für die Stromerzeugung als auch für den öffentlichen Verkehr konzipiert. Er sagt, dass die Schnellstraße zehn Mal mehr Druck aufnehmen kann, als Straßen mit herkömmlicher Asphaltierung und in einem Jahr 1 Million kWh Strom erzeugen kann, die für die Versorgung von Straßenlaternen und eines Schneeschmelzsystems auf der Straße verwendet wird.

DIE STRASSE LÄDT  ELEKTROFAHRZEUGE AUF

Die Sonnenstraße soll außerdem dazu dienen, Ladestationen für Elektrofahrzeuge mit Strom zu versorgen; sollten diese in Zukunft hinzugefügt werden.

Aber es könnte eine Weile dauern, bis sich das Projekt ausweiten kann, denn die Straße kostete etwa 3.000 Yuan (458 USD) pro Quadratmeter und ist damit deutlich teurer als die normalen Straßen.

CHINA IST WELTWEIT GRÖSSTER SOLARENERGIEPRODUZENT

Dennoch signalisiert das Projekt Chinas ehrgeizige Solar-Ambitionen. Im vergangenen Jahr avancierte das Land zum weltweit größten Solarenergieproduzenten, der seine Photovoltaik-Kapazität auf rund 78 Gigawatt erhöhte und bis 2020 auf 105 GW ausrichten will. Chinas östliche Stadt Huainan betreibt unterdessen das größte schwimmende Solarprojekt der Welt, das irgendwann fast 100.000 Häuser mit Strom versorgen könnte.

Photovoltaik in 2016
statista.de

 

50 Millionen Setzlinge: Theresa May plant neuen Waldgürtel im Norden Englands

Zwischen Liverpool und Hull in Mittelengland soll ein Mischwald von 50 Millionen Bäumen entstehen. Die britische Premierministerin Theresa May kündigte an, dass in den nächsten 25 Jahren ein riesiger Waldstreifen über 190 Kilometer angelegt werden soll, um die Umwelt zu verbessern und eine mögliche Überflutung von fast 200.000 Häusern zu verhindern.

Theresa May sagte in der The Andrew Marr Show: „Es wird seine Zeit brauchen, bis die Millionen von Bäumen gepflanzt wurden, die für die Entwicklung dieses nationalen Waldes benötigt werden – also ist es zwar keine kurzfristige Sache, die Verpflichtung ist jedoch da.“

25 HEKTAR WALD BIS 2050: EIN EHRGEIZIGES PROJEKT

Die Pläne sehen vor, dass bis 2050 rund 25 Hektar Wald neu aufgeforstet werden. Finanziert werden soll das ganze über die Staatseinnahmen der kommenden Jahre: Der Tourismus wird prospektiv zwei Milliarden Pfund für die Instandhaltung und die Förderung der ländlichen Wirtschaft und die Schaffung von Arbeitsplätzen in die Kassen spülen. Insgesamt soll das Projekt über die nächsten 25 Jahre eine halbe Milliarde Pfund kosten – 5,7 Millionen Pfund hat die Regierung bereits bezuschusst.

„Bäume gehören zu unseren wertvollsten natürlichen Ressourcen und sind ein lebendiger Beweis für unsere Investition in zukünftige Generationen. Sie sind nicht nur eine Quelle der Schönheit und des Staunens, sie bieten auch Möglichkeit, Hochwasserrisiken zu bewältigen, wertvolle Arten zu schützen und gesündere Lebens- und Arbeitsbedingungen zu schaffen.“

Umweltminister Michael Gove

EIN NEUER GRÜNGÜRTEL IM NORDEN ENGLAND: DER NORTHERN FOREST

Der neue, sogenannte „Northern Forest“ ist ein ehrgeiziges und aufregendes Projekt, das eine riesigen Grüngürtel im Norden Britanniens schaffen wird, der sich von Küste zu Küste wälzt und einen reichen Lebensraum für Wildtiere (besonders für Vogelarten und Fledermäuse) und eine natürliche Umgebung für Millionen von Menschen bieten wird.

NEUER LEBENSRAUM FÜR FLORA UND FAUNA

Der Nordwald umfasst die fünf Gemeinschaftswälder in Nordengland, den Mersey Forest, die Manchester City of Trees, den South Yorkshire Community Forest, den Leeds White Rose Forest und das HEYwoods Project mit bewaldeten Gebieten in und um große urbane Zentren wie Chester, Liverpool, Leeds und Manchester.

Der Grüngürtel wird eine Mischung aus einheimischen Laubbäumen wie Eichen und Nadelbäumen einschließlich Fichte und Kiefer sein, und soll Gesundheit und Wohlbefinden fördern können.

DIE ERSTEN SETZLINGE WERDEN IM MÄRZ ERWARTET

Die ersten Pflanzarbeiten werden im März 2018 auf dem 1.680 Hektar großen Gelände des Woodland Trust in Smithills erwartet, das vom Heritage Lottery Fund unterstützt wird.

„Der Nordwald wird die Schaffung neuer Wälder beschleunigen und die nachhaltige Bewirtschaftung der aktuell bestehenden Wälder in der gesamten Region unterstützen. Die Anpflanzung von mehr Bäumen, Wäldern und Wäldern wird eine bessere Umwelt für alle schaffen – Kohlenstoff in großen Mengen binden, den Lebensraum für Wildtiere stärken und unsere Städte umweltfreundlicher machen.“

Austin Brady, Direktor für Naturschutz des Woodland Trust

GRÜNE AKTIVISTEN BEGRÜSSEN DIE KAMPAGNE

Der Woodland Trust und die Community Forests werden gemeinsam daran arbeiten, Gemeinden und einer Vielzahl von Partnern bei der Waldbewirtschaftung zu helfen. Es bleibt zu hoffen, dass der neue Wald die Gesundheit und das Wohlbefinden der Einheimischen verbessern wird.

Paul de Zylva, Leiter der Friends of the Earth Conservation Group, sagt: „England ist eine der am wenigsten bewaldeten Nationen in Europa, daher ist die Unterstützung der Regierung für den neuen Northern Forest sehr willkommen.“

Optimal angelegte Wälder bringen zahlreiche Vorteile mit sich, indem sie Kohlenstoff absorbieren und dazu beitragen, Überschwemmungen zu verhindern, die der öffentlichen Erholung und dem Lernen sowie dem puren Genuss der Natur dienen.

Deutschlands erstes Restaurant mit eigener Salaternte hinter dem Tresen

Im Restaurant GOOD BANK in Berlin-Mitte werden georderte Salate direkt hinter dem Tresen geerntet. GOOD BANK ist das erste Vertical Farming to Table-Restaurant Deutschlands.

Wie sieht die Ernährung der Zukunft aus? Diese Frage stellen sich Food-Forscher und Innovatoren auf der ganzen Welt. Frischer, gesünder und ausgewogener soll es sein, am besten auch autark und ursprünglich, kreativ und spielerisch, so formuliert es eine neue Avantgarde von Achtsamen, die sich vornehm in den Metropolen westlicher Industrienationen zusammenfindet.

Daluma, Beets & Roots, Fechtner – an nachhaltigen, innovativen und grünen Pop-Up-Restaurants und Food-Stores mangelt es gerade in Berlin-Mitte nicht. Und doch: Mit der im vergangenen Jahr eröffneten Salatbar GOOD BANK in der Rosa-Luxemburg-Straße im Herzen des jungen, pulsierenden Berlins ist die Zukunft der Ernährungsindustrie auf einmal ganz nahe.

BEDÜRFNIS NACH NEUER ERNÄHRUNG EBNET NEUEN GESCHÄFTSIDEEN DEN WEG

Das Bedürfnis nach neuer Ernährung ebnet neuen Geschäftsideen den Weg. So auch für das Berliner Start-up Infarm, das auf hohem technischen Niveau Gemüse unter LED-Licht in geschlossenen Räumen anbaut. Das sogenannte Indoor Farming wird vor allen Dingen in Großstädten zum unaufhaltbaren Trendgeschäft.

Noch moderner wird es nur bei GOOD BANK. Gründerin Ema Paulin und Mitgründer Leandro Vergani haben ein Restaurant konzipiert, dass das Geerntete direkt auf die Teller bringt. Im Restaurant GOOD BANK wird Salat direkt vor den Augen der Gästen aus vertikalen Farmen geerntet und zubereitet. Da staunen die Berliner nicht schlecht, was genau da in den futuristisch strahlenden Vitrinen hinter dem Verkaufstresen vor sich geht. Neugierig sind sie aber allemal.

pic_9

Die Idee kam beiden vor knapp einem Jahr. Paulin wollte immer schon gründen; am besten etwas, das etwas zum Anfassen bietet, nicht bloß eine neue Technologie, die niemand greifen kann. Ihr Traum: Ein Restaurant, in dem sie Zutaten für eigene Gerichte direkt anbaut. Nachhaltig und zukunftsrelevant sollte es sein. Sie erarbeitete ein Konzept, dass das Städtewachstum gastronomisch auffängt, zur Lebenseinstellung zunehmend achtsamer Kosmopoliten passt und das Lebensgefühl in Berlin-Mitte verkörpert. Berlins bekannteste Indoor-Farmingtruppe Infarm lieferte schließlich das passende Equipment für die hauseigenen Gewächsanlagen. Seit dem Frühjahr letzten Jahres wird nun im GOOD BANK gegessen.

GOOD BANK: VON DER HAUSEIGENEN GEWÄCHSANLAGE AUF DEN TELLER

Hinter dem Verkaufstresen wachsen nun die ersten Superstar-Salatvariationen. Begonnen wurde mit Salanova Butterhead und Yacht; anschließend kam Chocolate Oak hinzu. Ein seltener Baby-Grünkohl wächst in weiteren vertikalen Farmen außerhalb des Restaurants, dennoch in der Nähe: In Spandau. Der Anbau direkt vor der Nase bietet dem Gast frischeste und aromatischste Gemüsesorten – voller Nährstoffe und ohne Pestizide. Nachhaltig ist vor allen Dingen, dass Transportwege und Logistikaufkommen dramatisch reduziert sind.

Doch ist dieses Konzept nachhaltig genug? Der Energieverbrauch für den Anbau der Salatköpfe selbst ist entspannt: Die gesamte Farming-Anlage kommt am Tag auf dieselbe Bilanz wie die hauseigene Espressomaschine. Nicht zu vergessen, dass GOOD BANK mit dem Konzept einen Schritt Richtung Zukunft macht und auch die Möglichkeit für den Anbau seltener essbarer Pflanzen schafft – dieses Format gibt es in der Form weltweit laut Paulin noch nicht.

Über die eigenen angebauten Variationen hinaus kaufen Paulin und Vergani Obst und Gemüse regional wie saisonal ein. Huhn und Rindfleisch kommen aus artgerechter Tierhaltung und bei der Fischauswahl setzt GOOD BANK auf hochqualitativen Schottischen Lachs. „Bei GOOD BANK sind wir weder dogmatisch noch naive Idealisten. Unser Ziel ist es, Euch lediglich die besten Gerichte zum besten Preis anzubieten und das so transparent wie nur möglich“, so Paulin.

Wird Deutschland das weltweit erste Land mit flächendeckend kostenlosem öffentlichen Nahverkehr?

Die Bundesregierung hat ihre Nachbarn mit einem radikalen Vorschlag zur Reduzierung des Straßenverkehrs durch die Freigabe öffentlicher Verkehrsmittel überrascht. Berlin versucht aktuell, die EU-Luftreinhaltevorgaben aus Brüssel einzuhalten und hohe Bußgelder durch den Europäischen Gerichtshof zu vermeiden.

Der Schritt kommt in Deutschland etwas mehr als zwei Jahre nach dem verheerenden Emissionsbetrugsskandal von Volkswagen, der eine Welle der Wut auf die Autoindustrie auslöste.

„Wir ziehen kostenlose öffentliche Verkehrsmittel in Betracht, um die Anzahl der Privatautos zu reduzieren“, schrieben drei Minister, darunter die Umweltministerin Barbara Hendricks, dem EU-Umweltkommissar Karmenu Vella in einem Brief am Dienstag. Außerdem sollen zusätzlich in ausgewiesenen Straßen Fahrverbote erteilt werden, um die Umweltbelastung weiter zu verringern.

„Die effektive Bekämpfung der Luftverschmutzung ohne weitere unnötige Verzögerungen hat für Deutschland höchste Priorität.“

Barbara Hendricks, SPD

Die Wirkung  der Maßnahmen wird bis spätestens Ende dieses Jahres in fünf Städten getestet, der ehemaligen Hauptstadt Bonn, den Industriestädten Essen und Mannheim, sowie Herrenberg (BW) und Reutlingen (BW).

Neben den kostenlosen Reisen mit Bus und Bahn beinhalten die am Dienstag vorgeschlagenen Maßnahmen weitere Emissionsbeschränkungen für Fahrzeuge wie Busse und Taxis, emissionsarme Zonen und die finanzielle Unterstützung von Car-Sharing-Systemen.

GRENZWERTE FÜR FEINSTAUB MÜSSEN EINGEHALTEN WERDEN

Es war dringend notwendig, dass Deutschland und acht andere EU-Mitgliedstaaten, darunter Spanien, Frankreich und Italien, die von Brüssel gesetzte Frist bis zum 30. Januar 2018 einhalten, um die EU-Grenzwerte für Stickstoffdioxid und Feinstaub zu erfüllen. Der Brüsseler Umweltminister Vella gab den Ländern noch zusätzlich Zeit, um weitere Maßnahmen zur Eindämmung der Umweltverschmutzung vorzulegen oder rechtliche Schritte einzuleiten.

Laut der Kommission betrifft die „lebensbedrohliche“ Umweltverschmutzung mehr als 130 Städte in Europa, ist für rund 400.000 Todesfälle verantwortlich und verursacht 20 Milliarden Euro an Gesundheitsausgaben pro Jahr in der EU.

WIE SOLL DER KOSTENLOSE TRANSPORT FINANZIERT WERDEN?

Die Nutzung von öffentlichen Verkehrsmitteln ist in Deutschland sehr beliebt. Die Zahl der Fahrten stieg in den letzten 20 Jahren stetig auf 10,3 Milliarden im Jahr 2017 an. Im Vergleich zu anderen großen europäischen Städten sind Tickets ohnehin schon billig: Ein Einzelticket in Berlin kostet 2,90 Euro, während das Gegenstück in der Londoner U-Bahn fast das Doppelte, 4,90 Pfund (5,50 Euro), kostet.

Aber die Vertreter der Test-Städte warnen davor, dass mehr Planung nötig sei, wenn das Experiment des kostenlosen Nahverkehrs gelingen sollte.

„Ich kenne keinen Hersteller, der in der Lage wäre, die Anzahl der Elektrobusse zu liefern, die wir brauchen würden, um die gestiegene Nachfrage zu decken, wenn der Transport kostenfrei wäre.“

Ashok Sridharan, Bürgermeister von Bonn

Zwei gute Beispiele, in denen das System des kostenlosen Nahverkehrs gelungen ist, sind Talinn in Estland und Hasselt in Belgien. Es gibt zudem noch einige andere kleinere Städte weltweit, in denen die Nutzung von beispielsweise Bussen gratis ist. Vergleichbar ist das System mit dem kostenfreien Shuttleservice an Flughäfen oder auf großen Betriebsgeländen. Bei der Einführung im großen Stil in einer Stadt wie Berlin fürchtet man sich allerdings auch vor den möglichen Negativseiten: Vandalismus, Verzögerungen, zu wenig Wagen und Personal, und nicht zuletzt erhebliche Finanzierungsprobleme.

Folgerichtig warnt der Städtebundchef Helmut Dedy: „Wir erwarten eine klare Aussage darüber, wie der (freie Verkehr) von der Bundesregierung finanziert wird.“