Im chinesischen Shandong geht die allererste Solar-Autobahn der Welt an den Start

Die Idee der „Sonnenstraßen“ wurde bisher von vielen Kritikern als unpraktisch abgetan. China hat das nicht daran gehindert, vor einigen Wochen die erste Sonnenstraße, also eine mit Solarzellen ausgelegte Fahrbahn, zu testen, die sich in die Riege von Experimenten und Pilotprojekten aus Frankreich, den Niederlanden und anderen Ländern einreiht.

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In Jinan, der Hauptstadt der nordostchinesischen Provinz Shandong, wälzt sich der Verkehr nun über eine Schnellstraße, die laut staatlichem CCTV Strom durch Sonnenenergie erzeugt. Die Teilstrecke zieht sich über fast zwei Kilometer und besteht aus drei Schichten: Transparentem Beton auf der Oberseite, Photovoltaikplatten in der Mitte und eine Schicht Isolierung auf der Unterseite. Die Fläche des Belages beträgt insgesamt 5.875 Quadratmeter und ist anhand des transparenten Betons gut zu erkennen.

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WELTWEITER TREND DER SOLARBESTÜCKUNG VON STRASSEN

China rechnet das Projekt als weltweit erste Photovoltaik-Autobahn ab. Ende 2016 eröffnete eine Gemeinde in Frankreich die erste Solarstraße der Welt, die ungefähr die gleiche Länge wie Chinas neuer Abschnitt hatte, obschon es ungefähr die Hälfte der Fläche bedeckte. Im Jahr 2014 haben außerdem die Niederlande einen Radweg mit Sonnenkollektoren gebaut.

JINAN-TEILSTÜCK

Der Jinan-Abschnitt umfasst zwei Fahrspuren und zusätzlich eine Notfallspur und ist laut Zhang Hongchao, einem von CCTV befragten Projektentwickler und Experten für Verkehrstechnik an der chinesischen Tongji-Universität, sowohl für die Stromerzeugung als auch für den öffentlichen Verkehr konzipiert. Er sagt, dass die Schnellstraße zehn Mal mehr Druck aufnehmen kann, als Straßen mit herkömmlicher Asphaltierung und in einem Jahr 1 Million kWh Strom erzeugen kann, die für die Versorgung von Straßenlaternen und eines Schneeschmelzsystems auf der Straße verwendet wird.

DIE STRASSE LÄDT  ELEKTROFAHRZEUGE AUF

Die Sonnenstraße soll außerdem dazu dienen, Ladestationen für Elektrofahrzeuge mit Strom zu versorgen; sollten diese in Zukunft hinzugefügt werden.

Aber es könnte eine Weile dauern, bis sich das Projekt ausweiten kann, denn die Straße kostete etwa 3.000 Yuan (458 USD) pro Quadratmeter und ist damit deutlich teurer als die normalen Straßen.

CHINA IST WELTWEIT GRÖSSTER SOLARENERGIEPRODUZENT

Dennoch signalisiert das Projekt Chinas ehrgeizige Solar-Ambitionen. Im vergangenen Jahr avancierte das Land zum weltweit größten Solarenergieproduzenten, der seine Photovoltaik-Kapazität auf rund 78 Gigawatt erhöhte und bis 2020 auf 105 GW ausrichten will. Chinas östliche Stadt Huainan betreibt unterdessen das größte schwimmende Solarprojekt der Welt, das irgendwann fast 100.000 Häuser mit Strom versorgen könnte.

Photovoltaik in 2016
statista.de

 

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Im indischen Neu Delhi ist ab sofort jede Art von Einweg-Plastik verboten

Indiens Regierung hat Plastik als „ernsthafte Gefahr für die Umwelt“ erkannt und ein neues Gesetz erlassen: In der Hauptstadt Neu Delhi sowie im umliegenden Staatsgebiet Delhi National Capital Territory ist jede Art von Einweg-Plastik bereits seit Anfang des letzten Jahres verboten. Die National Green Tribunal, ein Teil des indischen Parlaments, das 2010 zum Schutz der Umwelt und zur Erhaltung von Wäldern und anderen natürlichen Ressourcen ins Leben gerufen wurde, stimmte für diesen Beschluss.

Plastiktüten, Plastikbecher, Besteck und Chai-Becher summierten sich allein in Neu Delhi zu ca. 574 Tonnen Plastikabfall am Tag (Stand 2012). Indien ist für etwa 60 Prozent der Plastikverschmutzung der Meere verantwortlich und hat bereits vor einigen Jahren begonnen, Maßnahmen zu treffen, um diese möglichst schnell und umfangreich einzuschränken. Nutzung, Verkauf und Herstellung von Plastiktüten wurden in der Hauptstadt bereits 2012 verboten.

„SCHMUTZIGSTE STADT DER WELT“: MÜLLDEPONIEN WERDEN VERBRANNT

Noch im November 2016 wurde Neu Delhi von CNN als die schmutzigste Stadt der Welt eingestuft. Vor allem die Luftverschmutzung stellt ein besorgniserregendes Problem dar. Manche Teile der Stadt weisen ein Luftqualitätslevel vor, das fünf Mal schlechter ist, als von der US-amerikanischen Environmental Protection Agency als „gesundheitsschädlich“ eingestuft wird. Während in Europa, z. B. London, zu den Spitzenreitern in Sachen Luftverschmutzung gehört, sind die Werte für Neu Delhi 36 mal höher.

Das neue Plastik-Gesetz des National Green Tribunal ist zum Teil eine Reaktion auf die drei lokalen Mülldeponien Okhla, Gazipur und Bhalswa, in denen der Müll offiziell zur Energieerzeugung verwendet, inoffiziell allerdings zum großen Teil verbrannt wird und eine starke Luftverschmutzung in Delhi verursacht. „Jede dieser Deponien zeigt auf, was für ein irreparabler Schaden für die Umwelt und die Gesundheit der Einwohner Delhis entsteht“, äußert sich das National Green Tribunal zu seiner Entscheidung des Plastik-Verbots.

EIN VERBOT ALLEINE LÖST DAS PROBLEM NICHT

Das Verbot im indischen Alltag durchzusetzen, ist eine riesige Herausforderung – denn viele Lebens- und Geschäftsbereiche, wie z. B. Indiens Lebensmittelmärkte sind auf billige Verpackungen angewiesen. Auch die Industrie versucht sich zu wehren und klagte bereits 2012 wegen finanzieller Einbußen und wegfallender Arbeitsplätze gegen das Plastiktüten-Verbot – allerdings erfolglos.

Theoretisch drohen bei Verstößen gegen das neue Gesetz hohe Geld- und sogar mehrjährige Gefängnisstrafen – doch ob und wie diese wirksam durchgesetzt werden können, stellt die Regierung vor ein neues gewaltiges Problem.

Hoffnung bieten jedoch immer mehr lokale Innovationen, von wiederverwendbaren Chai-Bechern zu essbarem Besteck und sogar essbaren „Plastik“-Tüten, die sich in Indien und auch weltweit schnell als günstige Alternativen etablieren könnten.

Londons traditionelle schwarze Taxen werden bis 2021 elektrifiziert

Londons traditionelle schwarze Taxen werden bis 2021 elektrifiziert. Die Pläne zur Verbesserung der Luftqualität in der britischen Hauptstadt erfordern Handlung. Kritiker der Umstellung sagen, dass die Kosten der neuen Automobile die Fahrer davon abhalten werden, „grün zu werden“.

„Auch Londons Automobile haben eine wichtige Rolle bei der Verbesserung der Luftqualität zu spielen“, so Chris Gubbey, Chef der Londoner Electric Vehicle Company (LEVC). Politisch gewollt ist das auf jeden Fall: Ein neues Gesetz verlangt, dass neu angemeldete Taxen in der britischen Hauptstadt emissionsfrei fahren müssen. Mehr als 9.000 solcher Elektro-Taxen, etwa die Hälfte der derzeitigen schwarzen Flotte, sollen bis 2021 eingetauscht  sein und auf Londons Straßen fahren.

DAS ELEKTRO-TAXI: 130 KILOMETER REICHWEITE MIT EINER LADUNG

Das neue Elektromobil kann 130 Kilometer mit einer einzigen Batterieladung zurücklegen und ist mit einem 1,5 Liter-Benzinmotor für längere Fahrten ausgestattet. Das Filtersystem des Fahrzeugs entfernt zudem schädliche Gase aus der einströmenden Luft und reinigt so den Innenraum von den Abgasen für die Passagiere.

Mit rund £ 55.599 Pfund sind die Taxen aktuell jedoch beinahe 25 Prozent teurer in der Anschaffung als ihr Benziner-Äquivalent. Das Gefährt hat sechs Sitze und kontaktlose Kartenmaschinen, Wifi und USB-Ladefunktion. Laut LEVC spart der neue Motor im Durchschnitt ca. 120 Euro-Kraftstoff pro Fahrzeug pro Woche. Allein durch den Kraftstoff-Ersparnis hat man so die Differenz des Kaufpreises im Vergleich zu einem Benziner nach etwa 4,5 Jahren aufgewogen.

Im vollelektrischen Modus ist das Taxi flüsternd leise. So leise, dass man hört, wie laut der Rest des Verkehrs ist. Aus der Sicht des Passagiers ist die friedliche Fahrt sehr angenehm. An einem kalten Wintermorgen in London, wenn man die dichten Dieselabgase in der Luft riechen und schmecken kann, ist es leicht, die Logik hinter dem neuen Design zu erkennen.

Taxen tragen zum großen Teil zur Stadtverschmutzung bei, nicht nur in London, sondern auch in anderen Städten auf der ganzen Welt – auch in China: Von dort kommt finanzielle Unterstützung für die London EV Company.

DIE LADEPUNKTE SIND STREITPUNKTE

Bedenken werden jedoch, wie so oft, hinsichtlich der geringen Anzahl von elektrischen Ladestationen in der gesamten Hauptstadt geäußert. Ein 18 Mio. Pfund-Programm, mit dem bis zum Ende dieses Jahres 75 Schnellladestationen installiert werden sollen, – die Fahrzeuge in 30 Minuten beladen können – ist angeblich im Verzug.

„Die ganze Sache ist eine Farce, man kann es nicht schaffen“, sagt Steve McNamara, Generalsekretär der Licensed Taxi Drivers Association. Er fügt hinzu: „Wir werden ständig von Informationen über Technologie und Innovation bombardiert, aber wir können nicht einmal ein paar Ladegeräte auf die Straße bringen – welche Chance haben wir also?“

Der Bürgermeister von London, Sadiq Khan, versicherte, dass die Lieferrate für Stromtankstellen „dramatisch“ ansteigen werde. An mehr als 130 Standorten werde derzeit gearbeitet. Es bleibt abzuwarten, wann die neuen Taxen endlich in London fahren.

Erste Solarstraße der Welt für PKW in der Normandie freigegeben

Frankreichs Ministerin für Energie Segolene Royal ist stolz auf den schwarzen Asphalt in Tourouvre im Norden Frankreichs. Unter ihren Füßen befindet sich die erste echte Sonnenstraße der Welt, auf der auch LKW und PKW fahren dürfen. Auf der ein Kilometer langen Straße liegen 2.800 Quadratmeter photovoltaische Zellen, genannt Wattaway. Gebaut hat die Straße die französische Baufirma Colas. Die Photovoltaik-Platten sind sieben Millimeter dick und können laut Angaben des Herstellers direkt auf die Straße geklebt werden.

VERKEHRSNETZ BIETET UNGENUTZTE FLÄCHE FÜR SOLARSTRAßEN

Die Idee hinter der Solarstraße ist einfach: Statt Gebäude mit Photovoltaikanlagen zu errichten, könnte man die ohnehin vorhandenen Flächen nutzen. Auf den Straßen der Welt herrscht viel Verkehr, allein das deutsche Netz ist über 650.000 Kilometer lang. Das bietet eine große, für die Industrie ungenutzte Fläche. Im Fall der Stadt Tourouvre schätzt man, dass nur in 20% der Zeit Autos auf den Straßen fahren. Das Update zur Solarstraße soll nun in der Lage sein, genügend Strom für die Straßenbeleuchtung einer Gemeinde mit 5.000 Einwohnern zu erzeugen (mehr als Tourouvre braucht).

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Foto: Colas / Route Solaire Wattway

Segolene Royal hält das für eine geniale Idee: Der französische Staat hat das Projekt mit fünf Millionen Euro gefördert. In der Bretagne und im Hafen von Marseille sind die nächsten Solarstraßen bereits geplant. In den nächsten fünf Jahren sollen weitere 1.000 Kilometer gebaut werden. Der französische Prototyp für die Sonnenstraße hat bereits internationales Interesse geweckt. Insbesondere einige afrikanische Länder sind begeistert.

WER HAT’S ERFUNDEN? DIE AMERIKANER

Bereits im Jahr 2009 kam das amerikanische Ehepaar Scott und Julie Brusaw auf die Idee, Solarmodule auf die Straße zu bringen. Die Behörden fanden das Projekt vielversprechendund unterstützten es mit 750.000 Dollar. Im Jahr 2014 starteten die Brusaws eine Crowdfounding-Aktion, um den Bau eines ersten Prototyps zu unterstützen. Ihr Ziel: Eine Million Dollar.

Es gab am Ende 2,2 Millionen für die Brusaws und das damit verbundene YouTube-Video wurde zum Internet-Hit. Das Projekt selbst hängt jedoch noch immer in der Luft: Neben dem Solarmodul unter einer Glasplatte ist die Brusaws-Variante mit LED-Leuchten zur Straßenmarkierung und einer Heizung gegen Frost ausgestattet. Bisher konnte das Paar jedoch nur einen Prototypen auf einem Parkdach installieren.

Foto: Colas / Route Solaire Wattway

In den Niederlanden verläuft seit Mitte 2014 ein 70 Meter langer Sonnenradweg durch das Dorf Krommenie. Weil die Solarmodule in Krommenie in Beton eingebettet sind und darüber nur eine dünne Glasschicht liegt, hält der Sonnenweg bisher nur Fahrräder. Die Niederländerarbeiten allerdings bereits an einer Alternative für Autos.

DEUTSCHLAND SETZT EBENSO AUF LUMINOSITÄT

In Deutschland wird ein solcher Plan vom Solomove-Projekt verfolgt. In Zusammenarbeit mit dem RWTH Aachen Institut für Straßenbau hat Donald Müller-Judex ein System erfunden, das wie ein Fliesenteppich ausgelegt werden kann. Ähnlich wie bei dem System der Brusaws setzen die Entwickler auf Module mit Luminosität. Demnächst soll in Köln eine 150 Meter lange Teststraße eröffnet werden. Doch bisher ist die Glasoberfläche zu rutschig und zu anfällig; es bleibt abzuwarten, wie das gelöst wird.

TECHNOLOGIE IST NOCH UNAUSGEREIFT

Frankreich sind Sorgen solcher Art nicht bekannt. Die Wattaway-Module benötigen keinen Glasschutz. Doch auch die französische Solarstraße kämpft mit Problemen: Die Module sind deutlich teurer als konventionelle Solaranlagen und produzieren im Vergleich weniger Strom. Da sie nicht optimal auf die Sonne ausgerichtet werden können, wie auf Dächern, ist der Lichteinfall geringer. Bis die Technologie, wie das die französische Energieministerin hofft, ein Exportschlager werden kann, ist also noch viel zu tun.

In Mexiko-Stadt sorgen bepflanzte Betonpfeiler und Brückenabschnitte für saubere Luft

Eine Bürgerinitiative in Mexiko-City hat 700 Betonpfeiler und Brückenabschnitte im Straßenverkehr bepflanzen lassen. Die Begrünung soll pro Jahr 27.000 Tonnen Luft von Feinstaub und Schwermetallen befreien.

Vertikale Gärten reinigen die Luft. Insbesondere in belebten, vollen Großstädten werden sie daher zu wahren Helden: Sie sorgen für eine angenehme Temperatur, lassen verbrauchte Luft zirkulieren und filtern Feinstaub und Schwermetalle aus der verschmutzten Luft. Eine Bürgerinitiative in Mexiko-Stadt hat nun 700 Betonpfeiler begrünen lassen – für den Kampf gegen die Luftverschmutzung in der Megacity mit 20 Millionen Einwohnern.

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Foto: Via Verde, Mexico City
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Foto: Via Verde, Mexico City

DIE 20 MILLIONEN EINWOHNER STADT  VERSINKT IN ABGASEN

Viele Tage im Jahr verschwinden nicht nur asiatische Megacities, sondern auch Mexiko-Stadt unter einer Glocke aus Smog. 20 Millionen Einwohner der Metropolregion sind tagein, tagaus vergifteter Atemluft ausgesetzt. Statistiken zufolge starben in manchen Jahren bis zu 4.000 Menschen an eingeatmetem Smog. Im letzten Jahr war Mexiko-Stadt dazu angehalten, den Notstand auszurufen: Die Luftqualität war laut WHO auf einen drastischen Wert gesunken.

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Foto: Via Verde, Mexico City

DIE BEGRÜNUNG IM STRAßENVERKEHR FILTERT 27.000 TONNEN LUFT

Abhilfe sollte schließlich die Idee einer neuen Bürgerinitiative schaffen: Das Projekt „Via Verde“ sah vor, 700 Betonpfeiler, die Hochstraßen und Brücken stützen, zu bepflanzen. Die vertikalen Gärten erweiterten die Grünfläche der Stadt um insgesamt 40.000 Quadratmeter. Berechnungen der Bürgerinitiative zufolge, die das Projekt “Via Verde” im Jahr 2015 ins Leben rief, sollten die grünen Pfeiler pro Jahr 27.000 Tonnen Luft filtern, dabei Feinstaub und Schwermetalle aufnehmen.

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Foto: Via Verde, Mexico City

Die Stadt unterstützte das Vorhaben. Erste Untersuchungen belegen, dass die Luftqualität in den Arealen mit bepflanzten Pfeilern tatsächlich steigt, gleichzeitig lässt das Grün am Seitenstreifen die Zahl der Unfälle sinken.

Auch andere Weltstädte sind nun auf die Initiative der Mexikaner aufmerksam geworden: Die indische Stadt Neu-Delhi prüft aktuell, die Idee zu übernehmen. Laut Weltgesundheitsorganisation WHO zählt Neu-Delhi zu den Städten mit der schlechtesten Luft weltweit.

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Foto: Via Verde, Mexico City

GRÜNE POLITIK – MADE IN MEXIKO

Die Initiative „Via Verde“ reiht sich ein in eine Mehrzahl von Versuchen, die Luftverschmutzung in der mexikanischen Metropole zu bekämpfen. Die Umweltbehörde der Metropolregion unterstützt die Begrünung von Dächern, richtete ein staatlich gefördertes Leihsystem von Fahrrädern ein und stattete alle öffentlichen Busse mit Rußfiltern aus.

Drastisch gestiegen ist außerdem die Höhe der Geldstrafe, die Autofahrer zahlen müssen, wenn sie im Straßenverkehr an einem Tag mit Fahrverbot erwischt werden: Das tritt in Kraft, sobald die Schadstoffbelastung der Luft die Grenzwerte überschreitet. Dieselfahrzeuge sollen von 2025 an komplett aus der Stadt verbannt werden – ein radikaler Einschnitt, den Mexiko-Stadt im Dezember gemeinsam mit den ebenfalls vom Smog geplagten europäischen Städten Paris, Madrid und Athen beschlossen hat.

Niederländische Dörfer machen sich unabhängig von Weltwirtschaft

Bis 2050 werden mindestens zehn Milliarden Menschen auf der Erde leben. Kostbares Wasser, gesunde Ernährungsquellen und knappes Ackerland sind die Stichworte der wichtigsten globalen Fragen, die in den nächsten Jahrzehnten beantwortet werden müssen. Ein autarkes Dorf, das alles, was seine Bewohner benötigen, selbst produziert, – das ist eine Antwort auf diese Fragen und klingt zugleich wie eine Utopie. Diese Zukunft könnte für ein Dorf in den Niederlanden Wirklichkeit werden.

Das Essen, gezogen in Gewächshäusern vor der eigenen Haustür, der Strom aus erneuerbaren Energien, das Wasser direkt in der Nachbarschaft gesammelt und der Müll  kaum vorhanden, da es eine beinahe komplette Kreislaufwirtschaft gibt, – das klingt fantastisch und doch so fern, dabei ist es das nicht. Denn: In der Nähe der niederländischen Stadt Almere arbeiten Gruppen daran, diesen Traum wahr werden zu lassen. Hier soll das sogenannte ReGen-Dorf entstehen, ein regeneratives Dorf, das völlig unabhängig von der Weltwirtschaft funktionieren soll.

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Foto: Regen Villages Holding B.V / EFFEKT

Innerhalb der nächsten Jahre soll das ReGen-Dorf erbaut werden, als die weltweit erste autarke Dorfgemeinde, die nicht nur ihre eigene Energie erzeugt, sondern auch dafür sorgt, dass die Bewohner ihre eigenen Lebensmittel gewinnen können. Das Konzept ReGen-Dorf umfasst Wohngebäude, Gewächshäuser und verschiedene öffentliche Gebäude.

WIE FUNKTIONIERT DER SELF-SERVICE?

Aber wie funktioniert die Selbständigkeit? Der Erfinder der ReGen-Dörfer, der US-Amerikaner James Ehrlich, hat zusammen mit dem dänischen Architektenbüro EFFEKT zahlreiche Zyklen zu einem komplexen, autarken System zusammengefasst. Im Großen und Ganzen gibt es vier Bereiche: Nahrungsmittel-, Wasser- und Energieversorgung und natürlich die Abfallentsorgung.

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Foto: Regen Villages Holding B.V / EFFEKT

Zahlreiche Produktionsstätten im Dorf greifen ineinander: Gewöhnliche jahreszeitabhängige Gärten, beheizte Gewächshäuser, vertikale Farmen, Viehzucht und Aquaponik mit 120 Quadratmetern Nutzfläche. Bei Letztem handelt es sich um eine Fischzucht, die mit Pflanzenkultivierung aus der Hydrokultur kombiniert wird, indem die Exkremente des Fisches als Dünger für die Pflanzen verwendet werden. Die Fische werden mit Fliegenlarven gefüttert.

Da sich die Fliegen genauso wie die zur Fleischproduktion gehaltenen Nutztiere von kompostiertem Abfall ernähren, überschneiden sich an dieser Stelle die Kreisläufe der Nahrungsmittelproduktion und der Müllentsorgung. Die unkompostierbare Komponente des Mülls wird hingegen zur Energieproduktion verbrannt – die nächste Überlappung im Kreislaufsystem der ReGen-Dörfer. Die verbleibende benötigte Energie soll durch Solaranlagen und Biogasanlagen abgedeckt werden. Überschüssige Energie wird gespeichert und dem Dorf zugeführt.

Was übrig bleibt, ist die Wasserversorgung: Nach dem Konzept von Ehrlich und EFFEKT soll das Regenwasser gleichermaßen als Bewässerung und Trinkwasser dienen, in gefilterter und ungefilterter Variante.

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Foto: Regen Villages Holding B.V / EFFEKT

KEINE NEUEN ERFINDUNGEN, SONDERN EIN GANZHEITLICHES INTELLIGENTES SYSTEM

Mit ReGen-Dörfern wird das Rad nicht neu erfunden, sondern es werden bekannte Technologien eingesetzt und intelligent miteinander kombiniert. Mithilfe modernster Technik wollen die Macher des ReGen-Dorfes einen zehnfachen Ernteertrag erzielen und gleichzeitig 90 Prozent weniger Wasser verbrauchen. Auch der Flächenverbrauch dürfte geringer ausfallen. Nur 639 Quadratmeter Land sollen für eine dreiköpfige Familie genutzt werden. Zur Veranschaulichung: Für einen vergleichbaren Ertrag sind normalerweise mindestens 8.100 Quadratmeter erforderlich.

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Foto: Regen Villages Holding B.V / EFFEKT

ReGen-Dörfer – ein Konzept, das einen Nerv trifft. Nicht nur, dass das Projekt mehrfach ausgezeichnet wurde, es ist auch eine gute Sache, die sich mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht nur auf die Niederlande begrenzen wird. Da der Ansturm auf das Dorf groß ist, – 6.500 potenzielle Bürger haben sich bereits als Bewohner beworben, – planen die Projektträger von ReGen-Village ähnliche Projekte in Dänemark, Norwegen und Deutschland.

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Foto: Regen Villages Holding B.V / EFFEKT
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Foto: Regen Villages Holding B.V / EFFEKT
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Foto: Regen Villages Holding B.V / EFFEKT

Amsterdams erster Solarradweg übertrifft die Erwartungen der eigenen Ingenieure

Die Energieausbeute eines der ersten Solarradwege der Welt in der Nähe der niederländischen Metropole Amsterdam überrascht sogar die eigenen Ingenieure. Das Projekt soll Schule machen.

Bereits 2014 machte die niederländische Fahrradhauptstadt Amsterdam international Schlagzeilen mit der Fertigstellung eines der ersten Solarradwege der Welt. SolaRoad, ein Konsortium aus innovativen Unternehmen und Forschungslaboren, hat sich zum Ziel gesetzt, Radwege landesweit in Kraftwerke zu verwandeln. Dafür werden die Pflaster mit Solarpanels belegt.

EINE 70 METER LANGE FAHRRADSTRECKE IST MIT SOLARPANELS BELEGT

70 Meter lang misst die Fahrbahnstrecke des Radweges, der unweit des Amsterdamer Zentrums in der kleinen Stadt Krommenie liegt. Mit Solarpanels belegt und mit einer ein Zentimeter dicken Schicht gegen Beschädigungen geschützt, ist der Radweg zugleich griffig genug für den sicheren Halt von Fußgängern und Fahrradfahrern, zugleich hochtransparent, – und eben energieerzeugend.

Dabei verlief die Testphase des Solarprojekts nicht reibungslos. Bereits nach kurzer Zeit löste sich während frostiger Temperaturen ein Teil der Beschichtung, die die Solarmodule aufrauen und rutschfest machen sollten. Die Erfinder begründeten den Schaden mit den starken Temperaturschwankungen, auf die das Material zu empfindlich reagiere. Im Laufe der Testphase legten die beteiligten Unternehmen jedoch nach und behoben dieses und andere auftauchende Probleme.

Foto: SolaRoad Netherlands
Foto: SolaRoad Netherlands

Heute, mehr als drei Jahre später, sind die Erfinder und Ingenieure der gleichnamigen SolaRoad sehr zufrieden. Die Energieausbeute der 70 Meter langen Solarstrecke hat sogar die Erwartungen der eigenen Ingenieure übertroffen.

DIE ENERGIEAUSBEUTE ÜBERRASCHTE SELBST ERFAHRENE INGENIEURE

Nach nur einem halben Jahr “Laufzeit” kann sich das Ergebnis des Solarradwegs sehen lassen: Obwohl die Messungen im Winter begonnen hatten, produzierte das 70 Meter lange Stück Radweg mit Solarmodulen aus Silizium bereits bis Mai mehr als 3.000 kWh Strom. Das reiche aus, um einen Haushalt für eine Person ein Jahr lang mit Strom zu versorgen, so Sten de Wit, Sprecher von SolarRoad.

In den ganzen ersten zwölf Monaten seines Bestehens summierte sich die Produktion nach Angaben der Macher gar auf 9.800 kWh. Mit diesen Zahlen erreichte der Solarradweg die obere Grenze dessen, was laut Forschungstests überhaupt möglich war. Damit überraschte das Pilotprojekt selbst erfahrene Ingenieure.

Foto: SolaRoad Netherlands
Foto: SolaRoad Netherlands

DER AMSTERDAMER SOLARRADWEG SOLL NUR DER ANFANG GEWESEN SEIN

An diesen Erfolg soll angeschlossen werden. Nach dem Willen der niederländischen Regierung soll die Wirtschaft bis 2050 vollständig energieneutral sein. Solarstraßen auf dem über 140.000 Kilometern umfassenden Wegenetz sollen bei dieser Strategie künftig einen wichtigen Beitrag leisten. “Straßen könnten künftig so auch den Strom produzieren, den Elektroautos, die darauf fahren, verbrauchen”, so de Wit. Der Sonnenstrom von Streckenabschnitten könnte auch in Straßenbeleuchtung, Verkehrsleitsysteme und angrenzende Haushalte geleitet werden.

„Wir möchten unser Projekt künftig auch auf normale Straßen ausdehnen. Aber dies ist komplizierter, schließlich sind Autos wesentlich schwerer als Fahrräder. Wir möchten sichergehen, dass es auch dort funktioniert. Wenn wir soweit sind, können wir SolaRoad auch auf normale Straßen oder Parkplätze ausweiten“, so de Wit weiter.

SCHATTENWURF UND WARTUNGSKOSTEN SCHLAGEN NEGATIV ZU BUCHE

Kritiker verweisen auf die momentan um dreißig Prozent geringere Ausbeute und höhere Kosten im Vergleich zu herkömmlichen Anlagen. Schattenwurf oder höhere Wartungskosten schlagen zudem negativ zu Buche. Solarexperten bewerten Solarstraßen angesichts einer kostengetriebenen Diskussion um die Ausgestaltung der Energiewende zurückhaltend.

Ein Model für Deutschland dürften Solarstrecken erst dann werden, wenn es zu einer Verknappung von Solarflächen auf Dächern und Freiflächen kommt. Die niederländische Gemeinde Zaanstad hingegen hat sich mit ihrer Sonnenallee längst zum Besuchermagnet für Touristen, Reporter oder Delegationen aus aller Welt entwickelt.

Foto: SolaRoad Netherlands
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