Pariser Regionalregierung bepflanzt ein Drittel aller städtischen Dächer und Fassaden mit Obst und Gemüse

Die Bürgermeisterin von Paris, Anne Hidalgo, wurde 2014 mit der Absicht gewählt, die Grünflächen der Stadt als Teil ihrer Agenda zu verbessern. Sowohl private als auch öffentliche Unternehmen haben sich der Herausforderung gestellt, Paris reich an biologischer Vielfalt und kulturellem Kapital zu machen. Im Jahr 2016 startete ihre Kampagne Parisculteurs, die darauf abzielt, 247 Hektar Dächer und Fassaden in Paris bis 2020 mit Grün zu bedecken.

EIN DRITTEL DER GRÜNFLÄCHEN SOLL FÜR URBAN FARMING HERHALTEN

Ein Drittel dieses Grüns wird speziell für Urban Farming bereitgestellt. Bis heute haben 74 Organisationen eine Charta unterzeichnet, um die Stadt bei der Planung dieser enormen Unternehmung zu unterstützen. Die Stadt hat bereits 75 Entwicklungsprojekte genehmigt, die schätzungsweise mehr als 500 Tonnen Vegetation produzieren sollen.

Die stellvertretende Bürgermeisterin von Paris, Penelope Komites, ist verantwortlich für alle Parks und Grünflächen in der Stadt. Sie glaubt, dass Parisculteurs ein innovatives Modell für andere Städte sein wird, die darüber nachdenken, wie das Städtische Leben mehr von der Natur mit einbeziehen kann.

Urban Farming in Paris Konzeptdesign von Jacques Ferrier
Foto: Inhabitat by Jacques Ferrier

„Paris will nicht nur Obst und Gemüse produzieren, sondern will auch ein neues städtisches Modell erfinden. (…) Die Bürger wollen neue Möglichkeiten bekommen, sich in der Stadt zu engagieren und ihre Gärtner zu werden.“

Penelope Komites, stellv. Bürgermeisterin Paris

INNERHALB KÜRZESTER ZEIT HAT SICH DER ZEITGEIST GEWANDELT

„Vor drei Jahren haben die Leute über unseren Plan gelacht. Doch heute bauen viele Bürger auf ihren Dächern und in ihren Kellern Gemüse und Früchte an. Außerdem werden wir inzwischen von zahlreichen anderen Städten auf der ganzen Welt gebeten, den Pariser Ansatz zu präsentieren“, sagte sie. Und Paris hat bereits seine Erfolgsgeschichten.

Zum Beispiel die „Lachambeaudie Farm“, ein Projekt des Landwirtschafts-Start-ups Aéromate. Die 5.380 Quadratmeter große Farm befindet sich auf dem Dach des RATP-Gebäudes über der Pariser Metro.

Paris Action Climat Lachambeaudie Farm.jpeg
Die Lachambeaudie Farm auf Paris‘ Dächern. / Foto: Paris Action Climat

DIE AUFZUCHT AUF DEM DACH KANN OHNE ERDE ERFOLGEN

Lachambeaudie startete kurz nach Pariscultureurs im Jahr 2016, und inzwischen wachsen hier über 40 Sorten von Pflanzen und Kräutern in einem hydroponischen System, das mit Nährstoffen angereichertes Wasser, ohne Erde, für die Aufzucht der Pflanzen verwendet. Sie verkaufen ihre Produkte an Restaurants und Lebensmittelgeschäfte. Aéromate wurde bereits für eine zweite Farm zugelassen, die sie auf dem Dach eines Immobiliengruppengebäudes im Zentrum von Paris bauten. Sie arbeiten an Plänen zur Errichtung eines dritten Bauernhofs an der Duperré School of Applied Arts.

Urban Farming wird Trend auf der ganzen Welt
Foto: zanda.photography / Unsplash

„Wir haben unter Parisern eine wahre Begeisterung für die Teilnahme an einer grünen Stadtentwicklung gesehen“, sagte Komites. „Die urbane Landwirtschaft ist eine echte Chance für Paris. Sie trägt zur Artenvielfalt und zum Kampf gegen den Klimawandel bei.“

Urban Farming bedeutet auch Arbeitsplätze. Laut Komites hat Parisculteurs 120 Vollzeitstellen geschaffen. Die Möglichkeiten und die Begeisterung für das Projekt lassen das Ziel für 2020, Paris grün zu machen, als äußerst bescheidenes Ziel erscheinen.

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Dieser kalifornische Stadtfarmer hat 20.000 US-Dollar jährlich mit Gemüse aus dem Garten verdient

Fünfzehn Minuten vor dem Zentrum von Los Angeles, nur 100 Meter von einer großen Autobahnausfahrt entfernt, wandelte sich bereits in den 90er Jahren ein kleines Stadtgrundstück in ein Mini-Paradies. Familie Dervaes baut auf jenem Zehntel Hektar 7000 Pfund Bio-Lebensmittel an und liefert 90 Prozent ihrer vegetarischen Kost an Nachbarn und Restaurantbetriebe.

Nach eigenen Angaben gibt die Familie weniger als zwei Dollar pro Tag und Person aus und erwirtschaftet durch den Verkauf von überflüssigen Produkten über 20.000 Dollar pro Jahr. Ein Gartenhobby, das zur landwirtschaftlichen Berufung geworden ist.

UrbanHomeStead Dervaes Familie baut Gemüse selbst an
Foto: Survival Gardener

PERMAKULTUR-METHODE MACHT DEN BODEN NÄHRSTOFFREICH

Konventionelle Landwirtschaftsmethoden entziehen dem Boden Nährstoffe, bis das Land karg und desertiert ist. Permakultur schützt nicht nur den Boden, er regeneriert ihn auch. Als Jules Dervaes 1985 in sein Haus in Pasadena zog, gab es keinen Boden, dafür eine Menge Lehm.

Er und seine Familie verbrachten Jahre damit, die Erde mit Steinstaub, Hühner- und Ziegenmist, fermentiertem Kompost und Mikroorganismen wieder zum Leben zu erwecken. Die Dervaes verwenden seit 2007 keine organischen Volldünger-Düngemittel und haben noch nie synthetische Volldünger verwendet.

DIE PFLANZEN WERDEN SO ENG WIE MÖGLICH GESETZT

Sie machen das Beste aus dem kleinen Platz mit einer modifizierten Version der quadratischen Gartenarbeit, die sie „Square-Inch Gardening“ nennen. In Quadratzentimetern werden Gartenpflanzen möglichst dicht gepackt, um Verdunstung aus dem Boden zu verhindern und Wasser zu sparen. Die Darvaes glauben, dass der Boden niemals nackt und den Elementen ausgesetzt sein sollte. Sie ignorieren die Abstandsempfehlungen für Saatgutpakete und setzen sie in symbiotischen Arrangements so eng wie möglich zusammen.

„Größere Gemüse wie Brokkoli oder Paprika werden auf einen grünen Teppich aus Salat oder Rucola gepflanzt – der grüne Teppich wirkt wie lebender Mulch, verhindert Unkraut und hält den Boden feucht“, heißt es auf ihrer Website UrbanHomestead.org.

Das nutzt nicht nur den Platz am effizientesten aus, es erfordert auch weniger Wartung. Alles wird mit der Hand gemacht.

Der Gründer von Path to Freedom, Jules Dervaes hatte keine Ahnung, dass seine eigene Vision von Freiheit in Pasadena, Kalifornien, beginnen würde. Er hatte nicht vor, selbst in dem Haus zu leben, das er gekauft hatte, aber eine schwere Dürre in den neunziger Jahren veranlasste ihn, den Garten zu gründen, den seine Familie jetzt noch immer betreibt.

Path to Freedom Jules Dervaes
Quelle: Un Lieu Sur Terre

DURCH DIE  EINFÜHRUNG GENTECHNISCH VERÄNDERTER LEBENSMITTEL INSPIRIERT

Sein Rasen damals kostete ihn zu viel Wasser, zu viel Geld und zu viel Zeit. Er entschied sich, Stellung zu beziehen, indem er seinen Vorgarten mulchte und „etwas Nützliches“ pflanzte. Darvaes sagt, er habe nur „herumgetüftelt“, bis er erfuhr, dass gentechnisch veränderte Lebensmittel 2001 in Supermärkten eingeführt wurden. Danach wurde er „ein bisschen verrückt“ und beschloss, herauszufinden, wie viel Essen sein kleines Grundstück anbauen könnte.

Er wollte mehr Land, konnte aber nicht geduldig auf ein passendes Angebot warten und beschloss, mit dem zu arbeiten, was er hatte. „Dad fing an, jeden Quadratzentimeter, horizontal, vertikal, den Vorgarten, den Hinterhof und die Auffahrt zu bepflanzen“, sagen seine Töchter Anais und Jordanna.

„Ich glaube, dass der Anbau von Nahrungsmitteln einer der gefährlichsten Berufe auf der Welt ist, weil man Gefahr läuft, frei zu werden.“

Jules Dervaes (1947-2016)

Die Familie stellt außerdem ihren eigenen Biodiesel her und ihr Haus ist fast vollständig solarbetrieben. Nach dem Tod des Vaters 2016 führen seine drei Kinder das Projekt nun eigenständig weiter.

Dervaes Familie in Pesadena baut Gemüse selbst an
Foto: Hobby Farms

San Francisco stellt den Handel mit Fellen und Pelzen unter Strafe

Bevor Ken Kesey und die Grateful Dead in Haight-Ashbury ihre legendären Partys veranstalteten, bevor die Golden Gate Bridge errichtet wurde und bevor die Vereinigten Staaten Alcatraz als Fort bauten und es später mit den Gefangenen der Stadt füllten, war San Francisco: eine Pelzstadt.

PELZHANDEL IST IN SAN FRANCISCO HISTORISCH BEGRÜNDET

Die Küstenstadt, die nach dem heiligen Franziskus von Assisi, dem Schutzpatron der Tiere, benannt wurde, war ab dem späten 18. Jahrhundert für den Pelzhandel von entscheidender Bedeutung.

Die Gewässer in der Nähe von San Francisco waren einst stark mit Seeottern und Seehunden bevölkert. In den 1700er und 1800er Jahren bedeckten die Tiere die Küste in scheinbar endloser Zahl. Indianer, die in der Gegend lebten, jagten sie und trugen ihre Pelze und Pelze zum Schutz gegen das Wetter.

Der britische Entdecker Captain James Cook erwarb damals einige dieser Felle und verkaufte sie 1779 auf einer Erkundungsreise des Pazifischen Ozeans im heutigen China, wie es in „Die Öffnung des maritimen Pelzhandels an der Beringstraße“ von John Bockstoce nachzulesen ist.

Cook wurde zwar auf der Reise getötet, seine Crew machte trotzdem weiter. Die Besatzung war schockiert, als sie herausfanden, dass sie die Tierfelle im Osten für fast 1.800 Prozent mehr verkaufen konnten, als sie dafür bezahlt hatten. So begann der transpazifische Pelzhandel, mit dem San Francisco-Gebiet als Hauptschauplatz.

Pelzhandel mit den Indianern Verbot von Pelzen in San Francisco

AB 2019 WIRD SAN FRANCISCO ZU GRÖSSTEN STADT DER USA, DIE PELZ VERBIETET

Das San Francisco Board of Directors stimmte jetzt geschlossen für das Verbot von Pelzen, berichtet die Associated Press. Tierschutzorganisationen begrüßen die einstimmige Entscheidung. Das Verbot wird am 1. Januar 2019 in Kraft treten, obwohl Einzelhändler bis 2020 ihr aktuelles Inventar verkaufen müssen.

„Schätzungsweise 50 Millionen Tiere werden jährlich weltweit auf grausame Art und Weise geschlachtet, damit wir ihr Fell tragen und schick aussehen können“, sagt Katy Tang, die Supervisorin, die die Gesetzgebung entwarf, dem San Francisco Chronicle. „Ich hoffe, dass dem Rest der Welt eine starke Botschaft übermittelt wird.“

„Ich bin ein großer Tierrechtsanwalt, und während ich im Amt bin, möchte ich meine gesetzgeberischen Fähigkeiten nutzen, um denjenigen zu helfen, die nicht für sich selbst sprechen können.“

Katy Tang, Supervisor San Francisco

Etwa 50 Unternehmen in der Stadt, von denen die Handelskammer durch den jährlichen Pelzverkauf Einnahmen von geschätzt 40 Millionen Dollar erwartet, werden davon betroffen sein. Viele der Unternehmer sind darüber sehr unglücklich.

Doch damit nicht genug: Nicht nur wird das Verbot in Kraft treten – vielerorts schrumpft auch die Zahl der Abnehmer für Pelze. Einige der großen und einflussreichen Modehäuser lehnen Pelze bereits ab. Jüngst hatte sich das Modehaus Versace Unternehmen wie Michael Kors und Furla angeschlossen und Pelze aus seinen Kollektionen verbannt.

„Ich möchte keine Tiere töten, um Mode zu machen. Es fühlt sich nicht richtig an.“

Donatella Versace, Chefdesignerin von Versace

SAN FRANCISCO GEHT MIT GUTEM BEISPIEL VORAN

San Francisco hat in der Vergangenheit wiederholt sein soziales Engagement unter Beweis gestellt, oft auf Kosten der Wirtschaft. Das Board of Directors hat so in der Vergangenheit bereits Mentholzigaretten und anderen aromatisierten Tabak im Stadtgebiet verboten.

Das Verbot wurde im Juni 2017 von den Wählern verabschiedet. Im Jahr 2016 führte die Stadt bezahlten Elternurlaub von sechs Wochen ein. Auch Demonstrationen mit exotischen Tieren und der Verkauf von Hunden und Katzen im Einzelhandel sind hier, im Gegensatz zu vielen anderen US-Amerikanischen Städten, verboten.

Der Verkauf von Pelz ist bereits in zwei anderen kalifornischen Städten (West Hollywood und Berkeley) verboten, diese Verbote haben allerdings bisher wenig Einfluss nehmen können.

Madrids Bürgermeisterin verwandelt Altstadtzentren in Fußgänger- und Radfahrerzonen

Luftverschmutzung ist vor allem in großen Städten ein Problem. In Europa gehört Madrid mit seinen 3,2 Mio. Einwohnern und etwa 1,8 Mio. Autos zu den Städten mit der schlechtesten Luft. Seit 2009 werden die von der EU vorgegebenen erlaubten Höchstwerte an Stickstoffdioxid jedes Jahr übertroffen. Hohe Temperaturen und länger andauernde heiße Sommer verschlimmern das Problem.

Ein Bericht der Europäischen Umweltbehörde zeigte schon 2015, dass Madrid die als sicher geltenden Werte im Sommer zuvor 150 Mal übertroffen hatte. Mit diesen erhöhten Werten steigt das Risiko von Atemproblemen und Lungenerkrankungen, langfristig sinkt die Lebenserwartung der Menschen, die im Stadtzentrum leben oder arbeiten.

EINSCHRÄNKUNGEN UND FAHRVERBOTE SOLLEN DIE LUFT WIEDER VERBESSERN

Im letzten Jahr wurden bereits einige Maßnahmen getroffen, Parkverbote ausgeweitet, die zulässige Höchstgeschwindigkeit in der Stadt gesenkt – doch die Verschmutzungswerte stiegen weiter an. Als nächstes verbannte Madrid abwechselnd jeweils die Hälfte aller Privatfahrzeuge einen Tag lang von den Straßen: „Fahrzeuge mit geraden Zahlen [am Ende des Nummernschilds] dürfen an geraden Daten fahren und Autos mit ungeraden Zahlen an ungeraden Daten“ bestimmte die Stadtverwaltung im Dezember. Ausnahmen dabei: schadstofffreie Autos, Hybridfahrzeuge, Motorroller, Fahrzeuge für behinderte Menschen und öffentliche Verkehrsmittel.

Madrids Bürgermeisterin Manuela Carmena kündigte nun weitere Schritte an: Auf Madrids Hauptverkehrsachse Gran Vía, einer sechsspurigen Straße durch das Zentrum der Stadt, sollen bis spätestens 2019 nur noch Fahrräder, Busse und Taxis fahren dürfen. Sie wolle die Gran Vía noch in dieser Legislatur in eine Fußgängerzone umwandeln. Weiterhin ist ein Verbot für Dieselautos bis 2025 geplant.

Bei zu hohen Werten verhängt Madrid immer wieder temporäre Fahrverbote. Im Dezember wurde die Gran Vía bereits neun Tage lang für alle Privatfahrzeuge gesperrt, die Bilanz dieser Zeit ist positiv. Während Madrids rechtsstehende Partei mit Klage wegen Einbußen für die Unternehmen entlang der Gran Vía droht, kann Carmena das Gegenteil beweisen: Im Vergleich zum Vorjahr konnten die betroffenen Unternehmen sogar 15% mehr Profit verzeichnen.

IN BILBAO FUNKTIONIERT DIESES KONZEPT BEREITS

Die gleichnamige Gran Vía in Bilbao wurde bereits umgewandelt: Gehwege wurden nach innen ausgeweitet, so dass nur noch zwei Spuren für Busse, Taxis und Lieferservices verfügbar sind.

Weltweit geht der Trend zu mehr Fußgänger- und Radfahrerfreundlichkeit in Städten. Paris schränkte seinen Verkehr bereits weitgehend ein. Kopenhagen baut in seinem Zentrum eine Art Fahrrad-„Autobahn“, die ebenfalls 2019 fertig gestellt werden soll. Auch außerhalb von Europa, z. B. in Mexico City sollen künftig Fahrverbote greifen.

Berliner Unternehmer wollen Schifffahrt auf Spree und Landwehrkanal elektrisieren

Der Tourismus ist inzwischen ein lukratives Geschäft für die Hauptstadt Berlin. In den vergangenen zehn Jahren hat sich die Anzahl der Übernachtungen auf über 30 Millionen pro Jahr verdoppelt. Doch der Kampf um die Besucher wird nicht nur zwischen Hotels, Restaurants und Fremdenführern, sondern inzwischen auch auf dem Wasser ausgetragen.

DER HUMBOLDTHAFEN SOLL BELEBT WERDEN

Der trichterförmige Humboldthafen liegt nördlich des Spreebogens und verbindet die Spree mit dem Schifffahrtskanal Berlin-Spandau. Es befindet sich in unmittelbarer Nähe des Hauptbahnhofs. Der Hafen grenzt im Westen an das Friedrich-List-Ufer, im Osten an das Alexanderufer, im Norden an die Invalidenstraße und im Süden an die Humboldthafenbrücke. Im Osten schließt sich das Areal des Berliner Universitätsklinikums Charité an, im Westen und Norden das Bahnhofsviertel und Europacity.

Das Projekt eSpree.berlin und Luis Linder von Schöne Schiffe wollen den Turnaround auf dem Wasser und damit den ökologischen Wettbewerb an der Spree einläuten.

Wie, zeigt sich im aktuellen Projekt. Dort will die Unternehmergruppe die touristische Schifffahrt auf Spree und Landwehrkanal revolutionieren. Sie planen, Fahrten mit Elektrobooten anzubieten.

Dafür benötigen sie jedoch eine eigene Ladeinfrastruktur, um die Touristen ohne Abgase und Lärm entlang der Sehenswürdigkeiten zu segeln. Ihnen ist klar: Das Konzept hat Zukunft. Denn bisher werden die Fahrten nur von Reedereien angeboten, deren Schiffe mit Dieselmotoren – meist ohne Partikelfilter – fahren. Für die ohnehin schon schwer beladene Berliner Luft ist die im Schnitt 50 Jahre alte Dieselflotte eine Zumutung.

WAS STECKT HINTER E-SPREE.BERLIN?

Die Kreuzfahrten an der Spree werden von schoeneschiffe.berlin durchgeführt. Aufgrund der großen Nachfrage soll das Geschäft im nächsten Jahr ausgebaut werden und neue Schiffe hinzukommen. Immer noch schön, aber nachhaltig und rein elektrisch. Voraussetzung für das Projekt eSpree.berlin ist jedoch die positive Entscheidung der Bauantragstellung für einen elektrischen Fahrgast im Berliner Humboldthafen.

Elektrische Schiffe im Humboldthafen
Foto: eSpree.berlin

Die Bewerbung steht im Wettbewerb mit den Plänen der Traditionsschifffahrt (Reederei Kreis und Stern), die mit ihren ungefilterten Diesel-Passagierschiffen ein Joint Venture mit dem Reederverband im denkmalgeschützten Bereich aufbauen möchte.

NICHT JEDER WILL DIE ELEKTROSCHIFFE FAHREN SEHEN

Doch die Hoffnung auf ein eigenes Dock am Humboldthafen droht zu platzen. Weil der Berliner Reederverband und die Reederei Kreis and Stern ihren Bauantrag bereits vorher gestellt haben. „Mit dem Argument, dass wir zu spät kamen, wird unser Antrag nicht bearbeitet“, klagt Luis Lindner.

In der Verkehrsverwaltung des Senats weist man jedoch darauf hin, dass der geplante Anleger am Humboldthafen für alle da ist. Jeder, der Mitglied des Reederverbandes ist, kann dort einen Liegeplatz beantragen. „Das ist ohne Probleme möglich“, sagt Sprecher Matthias Tang, „Natürlich muss man der Bewerbung, die zuerst gestellt wurde, Priorität einräumen.“

Auch ein Dock mit Gastronomie und Werft, wie es ursprünglich von den Elektroanbietern angedacht war, ist aus Platzgründen nicht realisierbar. Dennoch will die Verwaltung nicht ausschließen, dass die Elektroschiffe künftig im Humboldthafen anlegen. „Wir wollen der Elektroschifffahrt keine Hindernisse in den Weg legen“, sagt Tang.

Design Modell Humboldthafen von eSpreeBerlin
Foto: eSpree.berlin

ABGASE SIND IN GANZ BERLIN NICHT NUR EIN ÄRGERNIS

Bei einem Ziel von 90 Prozent weniger Dieselemissionen bis 2030 ist es eigentlich kaum vorstellbar, dass der Senat Unternehmer wie Lindner nicht aufnehmen will. Denn die „Diesel-Stinker“ auf den Berliner Wasserstraßen sind der Landesregierung schon lange ein Dorn im Auge.

Man will schadstoffarme Antriebe sowie die Aufrüstung oder Nachrüstung von Diesel-Schiffsmotoren mit Rußpartikelfiltern durch Bundesrat-Initiativen durchsetzen. Zu diesem Zweck sollen Kommunen in Zukunft in ihren Regelungen für Umweltzonen auch Binnenschiffe, einschließlich Sportboote, zulassen dürfen. Immer wieder werden Klagen von Bewohnern großer Wasserstraßen und Spaziergängern laut, die am Geruch von Dieselabgasen und Rußemissionen in Küstennähe lasten, zuletzt in Berlin Mitte und am Spandauer Lindenufer.

Diese solarbetriebene Schule in Kopenhagen setzt auf Ernährung, Bewegung und Sensorik

Zwischen den Inseln Brygge, dem Hafen von Kopenhagen und Amager Commons entsteht derzeit die New Islands Brygge School. Die solarbetriebene Schule will einen besonderen Fokus auf Ernährung und Bewegung setzen.

Die spezielle Ausrichtung der Schule ermöglicht es den Schülern, theoretischen Unterricht mit physischem, sensorischem und erfahrungsbasiertem Lernen zu verbinden. Diese Art des Lernens hat der New Islands Brygge School seine Gestalt verliehen. Mit seiner dreieckigen Form ahmt das Gebäude die Strukturen der angrenzenden Stadt und des Hafens nach. Die galten jeweils auch als Inspiration für die Wahl der Materialien und der Farbgebung des Komplexes.

News Islands Brygge School lets Students grow their own food
Foto: C.F. MØLLER ARCHITECTS

Da Nahrung ein Schlüsselelement der Identität der Schule ist, ist der Speisesaal der zentrale Raum. Der Speisesaal mit doppelter Decke ist nicht einfach nur die Cafeteria, sondern auch der Knotenpunkt, der alle Funktionen der Schule miteinander verbindet. Das macht den Speisesaal zum Treffpunkt, an dem sich die Schüler über die vielen Aktivitäten der Schule hinweg treffen können.

C F Moeller School lets student grow their own food
Foto: C.F. MØLLER ARCHITECTS

Da Bewegung ein weiterer Schwerpunkt der Schule ist, ist es wichtig, dass die Architektur der Schule körperliche Aktivität und Spiel motiviert und fördert. Das wird insbesondere durch die dynamische spiralförmige Gestaltung des Gebäudes erreicht, die mit einer breiten Treppe zur Dachfläche der Schule lädt. Die Dachlandschaft ermöglicht den Zugang zu mehreren Bereichen der Schule, so dass die Schüler bei jedem Raumwechsel einen unterhaltsamen Kurzurlaub über das Dach machen können.

Students grow their own food at this school in denmark
Foto: C.F. MØLLER ARCHITECTS

Der obere Teil des Daches ist das Sportgelände, mit reichlich Gelegenheit für körperliche Aktivität auf der Laufstrecke, im Parkour-Bereich, oder auf dem geschlossenen Ballplatz.
Die Innen- und Außenräume der Schule sind so angelegt, dass sie in engem Kontakt zueinander stehen.

Der Schwerpunkt liegt jedoch nicht nur darin, den Schülern beizubringen, wie sie Obst und Gemüse in den schuleigenen Gärten anbauen und ihre eigenen Mahlzeiten zubereiten können. Es gibt außerdem einen Schwerpunkt in körperlicher Aktivität, was bedeutet, dass es eine Reihe von Freizeiteinrichtungen in den vier Ebenen des Komplexes geben wird. Die gesamte Schule kann von drei verschiedenen Eingängen aus betreten werden, bei denen jeder sein eigenes einzigartiges Gefühl hat, wenn er den zentralen Raum erreicht.

DIE ARCHITEKTEN SIND KEINE UNBEKANNTEN

Die Architekten C.F. Møller wurde mit der Schaffung der New Islands Brygge School in Kopenhagen beauftragt. Mit einer Größe von 105.690 Quadratmetern bietet diese neue Schule bis zu 784 Schülern Platz; mit zusätzlichen Räumen für die Mitarbeiter und verschiedene Aktivitäten. Zusätzlich wird es einen großen Außenbereich mit einem zusätzliche Biologiegarten und mehreren Gewächshäusern geben.

C.F. Møller betrachten Umweltbewusstsein, Ressourcenbewusstsein, gesunde Projektfinanzen, soziale Verantwortung und gute Handwerkskunst als wesentliche Elemente ihrer Arbeit. Dieses Ethos soll grundlegend für all ihre Projekte sein, ein roter Faden, der von der Masterplanung bis zum Detaildesign reicht.

„Wir möchten eine Lernatmosphäre von hoher Qualität für Lehrer, Schüler und Mitarbeiter schaffen, mit besonderem Fokus auf die Gestaltung von Innen und Außen. Die Schule soll auch Treffpunkt für lokale Vereine und Sportvereine sein, mit einfacher Erreichbarkeit und offenem Design, damit sich auch Nicht-Schüler in der Schule willkommen fühlen.“

Martin Lose, Sektionsdirektor bei dem Bauunternehmen für das Projekt,
MT Højgaard

C.F. Møller hofft auf die Zertifizierung durch die Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB). Diese Organisation stellt strenge Richtlinien für sechs Aspekte eines Gebäudes auf, einschließlich der Umweltauswirkungen, der Technologie und des Standorts. Die New Islands Brygge School wird „Lüftung mit Wärmerückgewinnung, natürliche Lüftung, tageslichtgesteuerte Beleuchtung und eine hochgradig isolierte Hülle“ bieten. In den Dachgärten wird es zudem Sonnenkollektoren geben, die eine Energiequelle für die Schule bieten werden.

NOCH STECKT DIE SCHULE IN IHREN KINDERSCHUHEN

Die New Islands Brygge School soll bis Mai 2020 fertig sein, pünktlich zum dann startenden Schuljahr und um den Schulmitarbeitern und Kindern Zeit für den Transfer zu geben. Dieser Zeithorizont bietet hoffentlich ausreichend Zeit für Planung und Bau, während gleichzeitig versucht wird, den nachhaltigen Bedürfnissen gerecht zu werden.

Britisches Start-up entwickelt Biokraftstoff aus Kaffeeresten für Londoner Doppeldecker

Das britische Start-up Bio-Bean hat sich mit Shell (RDSB) und Argent Energy zusammengeschlossen, um einen Biokraftstoff auf Kaffeebasis zu entwickeln, der in den traditionell roten Doppeldecker-Dieselbussen in London zum Einsatz kommen wird. Das Unternehmen hat bereits 6.000 Liter Kaffeeöl für das Pilotprojekt mit der Londoner Transportbehörde produziert – genug, um das Äquivalent eines Stadtbusses für ein Jahr zu betreiben.

„Das ist ein großartiges Beispiel dafür, was passieren kann, wenn wir beginnen, Abfall als aktuell ungenutzte Ressource neu zu erfinden“, sagt der Bio-Bohnen-Gründer Arthur Kay.

Das Start-up sammelt gebrauchten Kaffeesatz aus Cafés, Restaurants und Fabriken und transportiert sie zu seiner Recyclinganlage. Dort wird der Kaffeesatz zunächst getrocknet, bevor daraus das Kaffeeöl extrahiert wird.

Das Kaffeeöl wird dann mit anderen Brennstoffen vermischt, um B20-Biokraftstoff zu erzeugen, der in Dieselbussen ohne zusätzliche Modifikation verwendet werden kann.

„Der übrigbleibende Kaffeesatz ist sehr kalorienreich und enthält wertvolle Verbindungen, die ihn zu einem idealen Ausgangsstoff für saubere Brennstoffe machen“, heißt es auf der Website des Unternehmens.

Bio-Bean schätzt, dass Großbritannien bis zu 500.000 Tonnen Kaffeesatz pro Jahr produziert, von dem das meiste auf Deponien entsorgt wird, wo es schädliche Treibhausgase ausstoßen kann. Die Firma verkauft auch Kaffeebriketts, die in Kaminen und Öfen als Alternative zu Holzscheiten verwendet werden. Bio-Bean sagt, es gebe „keine formale Vereinbarung“, sein Kaffeeöl nur in London weiter zu verwenden, und sie hoffen, schnell neue Märkte und Abnehmer für das Produkt zu finden.

„Es gibt enormes Potenzial, dieses Projekt zum Beispiel in den USA auszuweiten, da Amerikaner auf der Welt den meisten pro Kopf Verbrauch von Kaffee haben – 400 Millionen Tassen sind es pro Tag“, so Kay.

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