Pacific Garbage Screening: Wird dieser deutsche Riesenkamm die Ozeane von Plastikmüll befreien?

Plastik schwimmt nicht nur auf der Oberfläche des Ozeans – ein großer Teil des Mülls sinkt unter die Wasseroberfläche. Die Strömungen und Umwälzungen in den Ozeanen ziehen die Kunststoffteile unter Wasser. Ohne den Strom würde Kunststoff wie in einem Schwimmbecken auf der Oberfläche schwimmen, denn Kunststoff ist leichter als Wasser.

FORSCHUNG AUS AACHEN: PACIFIC GARBAGE SCREENING

Es sieht aus wie ein riesiger Kamm oder eine Muschel und es nutzt seine spezielle Form dazu, Abwasser und Plastikteile aus dem Meer zu filtern. „Pacific Garbage Screening“ nennt sich die schwimmende Anlage, die sich derzeit in der Entwicklungsphase in Aachen befindet.

Pacific Garbage Screening reinigt den Pazifik vom Unrat
Foto: Pacific Garbage Screening

Die PGS-Plattform ist architektonisch darauf ausgelegt, die Strömung zu beruhigen und den Kunststoff wieder an die Oberfläche zu schieben. 35 Meter lang „Kiele“ bilden unterhalb der Plattform ein Kanalsystems von etwa 400 Metern Länge. „Das Wasser fließt durch das Kanalsystem, während die Bewegungen des Meeres Punkt für Punkt beruhigt werden“, erklärt die Initiatorin des Projekts, Marcella Hansch, Architektin aus Aachen. Der Kunststoff kann nun durch seinen eigenen Auftrieb abgeschöpft werden.

Pacific Garbage Screening Querschnitt
Foto: Pacific Garbage Screening

„Wir wissen aus ersten Berechnungen, dass dieses Prinzip funktionieren wird“, sagt Hansch. Das Projekt Pacific Garbage Screening war ihre Masterarbeit in Architektur. Vor vier Jahren entwarf sie das System. Jetzt steht ein 15-köpfiges Team von Freiwilligen hinter dem Projekt.

DIE MÜLLANSAMMLUNGEN IM MEER KÖNNTEN AUFGELÖST WERDEN

Aufgrund der Meeresströmungen sammelt sich der Müll auf dem offenen Meer bisher in fünf riesigen Meereswirbeln. Inzwischen ist im Nordpazifik der sogenannte „Great Pacific Garbage Patch“ entstanden, in dem sich extrem viel Plastik angesammelt hat. Laut dem NABU hat diese Ansammlung von Müll die Größe von der Fläche Mitteleuropas und wiegt über 100 Millionen Tonnen. Insbesondere an solchen Hotspots könnte die PGS-Anlage dazu verwendet werden, die Ozeane effektiv vom Müll zu befreien.

Hier könnte die Plattform die natürliche Meeresströmung ausnutzen: Die rund 400 Meter breite und ebenso lange Anlage könnte mit starken Seilen im Meeresboden verankert werden. Die Verankerung soll nur an der „Vorderseite“ der Plattform (der offenen Seite des „Kamms“) befestigt sein, damit das gesamte System optimal auf die Strömung ausgerichtet werden kann. Auf der Rückseite des PGS befinden sich Maschinenräume, Lagerräume und Wohnräume für die Besatzung. Nach der Vision der Erfinderin könnte die Anlage auch als Forschungsstation dienen.

WARUM VERSCHWINDET DER KUNSTSTOFF NICHT?

Die Zersetzung eines einzelnen Partikels hängt von seiner Zusammensetzung und den Umweltbedingungen ab – aus Erdöl hergestellt, hat Kunststoff eine sehr lange Haltbarkeit.

Im Meer haben beispielsweise Plastiktüten eine Lebensdauer von bis zu 20 Jahren, dabei zersetzen sie sich jedoch nicht vollständig; sie werden in winzig kleine Mikroplastiken zerbrochen. Im Vergleich dazu wird eine Papiertüte bereits nach zwei bis drei Wochen vollständig abgebaut. Noch kritischer sind Plastikflaschen oder „Six-Pack-Ringe“. Nach heutigem Kenntnisstand werden sie erst nach etwa 400 bis 450 Jahren abgebaut.

MEHRERE NUTZUNGSMÖGLICHKEITEN VON PLASTIK WÄREN DENKBAR

Aus dem Meer gefischtes Plastik wurde bereits vom Salzwasser angegriffen und kann normalerweise nicht mehr recycelt werden. Doch anstatt es nun an Land zu verbrennen, haben sich Hansch und ihr Team eine sinnvollere Maßnahme überlegt: Sie wollen den Müll in Wasserstoff und Kohlenstoffdioxid umwandeln. Der Wasserstoff soll als Brennstoff für Brennstoffzellen dienen und als Energiequelle für die Anlage dienen.

Das Kohlenstoffdioxid, das aus dem Plastikabfall kommt, könnte auf der Wasseroberfläche innerhalb der Anlage extra kultiviert werden. Diese Algenbiomasse wiederum könnte als Quelle für biologisch abbaubares Algenplastik dienen – der Kreislauf wäre geschlossen. „Was diesen zweiten Schritt betrifft, wird jedoch immer noch viel geforscht“, sagt Hansch.

Plastikmüll Kreislauf Kohlenstoffdioxid Wasserstof
Foto: Plastic Garbage Screening

DAS PROJEKT SOLL ZUM DENKEN ANREGEN

Die Implementierung der Plattform wird wahrscheinlich eine Weile dauern – noch is das Projekt nicht finanziert. Die gemeinnützige Organisation, die hinter der PGS steht, hofft, in diesem Jahr durch Forschungsgelder, Spenden und ein geplantes Crowdfunding weitere Forschungen, erste Modellversuche und den Bau von Prototypen finanzieren zu können.

Marcella Hansch Plastic Garbage Screening
Marcella Hansch setzt auf Unterstützung in 2018

Das Team hinter dem Pacific Garbage Screening sieht sein Projekt als „schwimmenden Symbolträger für das größte Umweltproblem unserer Zeit“. Die Hoffnung: Das Projekt könnte nicht nur eines Tages die Meere retten, sondern jetzt mehr Aufmerksamkeit auf das Problem lenken.

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Als erstes Land in Europa: Schottland verbietet Strohhalme aus Plastik im ganzen Land

Großbritannien geht der Umweltverschmutzung an den Kragen. Nachdem Mikroplastik in bestimmten Produkten verboten wurde, sind nun die Plastikstrohhalme dran. Sogar die Queen wurde jüngst von Sir David Attenborough dazu inspiriert, sich an der Kampagne zur Reduzierung des Plastikverbrauchs zu beteiligen. Sie verbannte Plastikstrohhalme und -flaschen, aber auch andere Plastikprodukte aus ihren Palästen.

DAS SCHOTTISCHE AUS FÜR PLASTIKSTROHHALME

Nun hat die schottische Regierung angekündigt, als erstes Land in Europa Plastikhalme komplett zu verbieten. Die Kampagne geht dabei sogar über Schottland hinaus: Die Marriott Hotel Group, die größte Hotelkette der Welt, kündigte die Entfernung von Plastikstrohhalmen in allen 60 britischen Hotels an.

Britische Hotels haben im letzten Jahr über 300.000 Strohhalme verbraucht. Damit soll zumindest in den Marriott Hotels jetzt Schluss sein. Andere Bars und Hotels in London schließen sich dieser Kampagne an, wie zum Beispiel der Karaoke-Bar-Betreiber Lucky Voice verlautbaren ließ. Weltweit werden pro Tag etwa 3-6 Milliarden Plastikstrohhalme verwendet. Das sind etwa 900 Tonnen Plastikmüll. McDonald’s allein serviert täglich 3,5 Millionen Menschen in Großbritannien ein Getränk. Das sind 3,5 Millionen Strohhalme pro Tag nur durch McDonald’s.

„Es ist ein Sieg für unsere letzte Strohhalm-Kampagne, die letzten Monat gestartet und von Tausenden von Unternehmen und der Öffentlichkeit unterstützt wurde.“

Roseanna Cunningham, schottische Umweltministerin

WATTESTÄBCHEN WURDEN ZUDEM VERBOTEN

Zuvor hatte die schottische Regierung das Verbot von Wattestäbchen bekannt gegeben. Jetzt soll das Verbot von Plastikstrohhalmen bis zum Ende des Jahres 2018 kommen. Firmen wie Scotch Whisky Association, Bacardi, Pernod Ricard und Diageo verzichten ebenfalls auf Plastikstrohhalme.

GROßE KETTEN UND DISCOUNTER WERDEN GEBETEN, PLASTIKSTROHHALME AUS DEM SORTIMENT ZU NEHMEN

Um Druck auf Politik und Wirtschaft auszuüben, muss immer wieder auf die Fülle von Plastikmüll hingewiesen werden, wie die Kampagne gegen Plastik im Vereinigten Königreich zeigt, denn nach Schottland haben durch den Druck der Öffentlichkeit und Verbraucher jetzt auch noch andere Regionen und Unternehmen in Großbritannien angekündigt, Plastikstrohhalme zu verbieten.

Brite eröffnet Supermarkt mit abgelaufenem Obst und Gemüse

Für Abfall Geld bezahlen: Das geht nun in einem neuartigen Supermarkt in der Nähe von Leeds, Großbritannien. Klingt absurd, ist es aber gar nicht.

Bei dem Abfall handelt es sich nämlich nicht um klassische Essensreste wie Kartoffelschalen oder die Überbleibsel des Mittagessens vom Vortag, sondern um nicht verkaufte abgelaufene Lebensmittel aus diversen Supermärkten, die wegen des Mindesthaltbarkeitsdatum nicht mehr im üblichen Handel verkehren dürfen.

ABGELAUFENE LEBENSMITTEL LANDEN IM MÜLL

In der Regel landen diese Lebensmittel im Müll. Weltweit macht das ein Drittel von vier Milliarden Tonnen Lebensmitteln. Für Adam Smith, Gründer des britischen „Real Junk Food Projects“, ist diese Zahl nicht nur erschreckend, – sondern ausschlaggebender Punkt für die Eröffnung seines „Anti-Supermarktes“.

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Foto: The Real Junk Food Project UK

Smith, der zuvor als Koch in Australien tätig war und für die Verlängerung seines Arbeitsvisums auf einer Farm in Melbourne jobbte, erlebte, wie leichtfertig essbare Lebensmittel im Abfall landen. So verfütterte der Farmer in Melbourne etwa eine Tonne Zucchinis an die Schweine. Auf Smiths Frage, wieso er die Zucchinis nicht spende, erklärte der Farmer, dass er schlicht nicht die logistischen und finanziellen Mittel dazu zur Verfügung habe.

DAS ADAM-SMITH-PRINZIP: PAY WHAT YOU FEEL

Zurück im britischen Leeds eröffnete Smith daraufhin den ersten von mittlerweile 120  Anti-Supermärkten inklusive Bistro weltweit, in dem die weggeworfenen Lebensmittel der herkömmlichen Supermärkte zu abwechslungsreichen Speisen verarbeitet werden. Mit noch einem weiteren Unterschied zu weiteren Bistros: Adam Smith steht für „pay what you feel“, heißt: Man zahlt, was man kann, oder was einem die Speisen wert sind.

Das Bezahlsystem kommt an, in dem in Leeds eröffneten „Anti-Supermarkt“, der täglich mit rund 10 bis 20 Lebensmitteln von anderen Supermärkten beliefert wird. Die Mitnahme der Lebensmittel ist auch ein Angebot für Bedürftige, die über wenig Geld verfügen. Das „Real Junk Food Project“ macht möglich, seinen Einkauf durch Arbeitskraft  und Arbeitszeit einzulösen.

AUCH DIE RESTE DER RESTE WERDEN WIEDERVERWERTET

Was in Smiths Läden und Bistros am Ende des Tages übrig bleibt und nicht weiter verarbeitet wurde, wird nicht weggeschmissen. Smith spendet sämtliches Überangebot an Schulen und Kindergärten. Auch Kinder aus unterprivilegierten Verhältnissen kommen so zu einer warmen Mahlzeit am Tag.

Rechnet man die Menge an Lebensmitteln, die von den Supermärkten bisher gespendet wurden mal zwei, könnte man ein ganzes Jahr lang jede Woche, also 52 Wochen im Jahr, 732.000 Mahlzeiten bereitstellen. Wie viele Leute, die in Armut leben, alleine in Deutschland davon jeden Tag satt werden könnten, ist ein einfaches Rechenexempel.

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FRANZOSEN SIND ZUR LEBENSMITTELSPENDE GESETZLICH VERPFLICHTET

Auch in Frankreich wird sich dem Problem der Lebensmittelverschwendung nun zugewandt. Ein Gesetz zum Verbot der Lebensmittelvernichtung verpflichtet Franzosen nun dazu, übriggebliebene Lebensmittel an Hilfsorganisationen wie die Tafel zu spenden. In Deutschland ist man noch nicht so weit.

Fernab der politischen Entwicklung findet „The Real Junk Food Project“ jedoch auch international Anklang. Auch in Berlin hat sich ein Lokal als Teil des globalen Netzwerks gegen Lebensmittelverschwendung gegründet. In der Gerichtsstraße wird überschüssiges Obst und Gemüse zu nahrhaften Mahlzeiten verarbeitet und sozialen Projekten zur Verfügung gestellt. Weiter bereichert die Community die Hauptstadt mit eigenen Workshops, Kochaktionen und Vorträgen, um über die Problematik der massiven Lebensmittelverschwendung aufzuklären und Möglichkeiten aufzuzeigen, diese zu reduzieren.

Im indischen Neu Delhi ist ab sofort jede Art von Einweg-Plastik verboten

Indiens Regierung hat Plastik als „ernsthafte Gefahr für die Umwelt“ erkannt und ein neues Gesetz erlassen: In der Hauptstadt Neu Delhi sowie im umliegenden Staatsgebiet Delhi National Capital Territory ist jede Art von Einweg-Plastik bereits seit Anfang des letzten Jahres verboten. Die National Green Tribunal, ein Teil des indischen Parlaments, das 2010 zum Schutz der Umwelt und zur Erhaltung von Wäldern und anderen natürlichen Ressourcen ins Leben gerufen wurde, stimmte für diesen Beschluss.

Plastiktüten, Plastikbecher, Besteck und Chai-Becher summierten sich allein in Neu Delhi zu ca. 574 Tonnen Plastikabfall am Tag (Stand 2012). Indien ist für etwa 60 Prozent der Plastikverschmutzung der Meere verantwortlich und hat bereits vor einigen Jahren begonnen, Maßnahmen zu treffen, um diese möglichst schnell und umfangreich einzuschränken. Nutzung, Verkauf und Herstellung von Plastiktüten wurden in der Hauptstadt bereits 2012 verboten.

„SCHMUTZIGSTE STADT DER WELT“: MÜLLDEPONIEN WERDEN VERBRANNT

Noch im November 2016 wurde Neu Delhi von CNN als die schmutzigste Stadt der Welt eingestuft. Vor allem die Luftverschmutzung stellt ein besorgniserregendes Problem dar. Manche Teile der Stadt weisen ein Luftqualitätslevel vor, das fünf Mal schlechter ist, als von der US-amerikanischen Environmental Protection Agency als „gesundheitsschädlich“ eingestuft wird. Während in Europa, z. B. London, zu den Spitzenreitern in Sachen Luftverschmutzung gehört, sind die Werte für Neu Delhi 36 mal höher.

Das neue Plastik-Gesetz des National Green Tribunal ist zum Teil eine Reaktion auf die drei lokalen Mülldeponien Okhla, Gazipur und Bhalswa, in denen der Müll offiziell zur Energieerzeugung verwendet, inoffiziell allerdings zum großen Teil verbrannt wird und eine starke Luftverschmutzung in Delhi verursacht. „Jede dieser Deponien zeigt auf, was für ein irreparabler Schaden für die Umwelt und die Gesundheit der Einwohner Delhis entsteht“, äußert sich das National Green Tribunal zu seiner Entscheidung des Plastik-Verbots.

EIN VERBOT ALLEINE LÖST DAS PROBLEM NICHT

Das Verbot im indischen Alltag durchzusetzen, ist eine riesige Herausforderung – denn viele Lebens- und Geschäftsbereiche, wie z. B. Indiens Lebensmittelmärkte sind auf billige Verpackungen angewiesen. Auch die Industrie versucht sich zu wehren und klagte bereits 2012 wegen finanzieller Einbußen und wegfallender Arbeitsplätze gegen das Plastiktüten-Verbot – allerdings erfolglos.

Theoretisch drohen bei Verstößen gegen das neue Gesetz hohe Geld- und sogar mehrjährige Gefängnisstrafen – doch ob und wie diese wirksam durchgesetzt werden können, stellt die Regierung vor ein neues gewaltiges Problem.

Hoffnung bieten jedoch immer mehr lokale Innovationen, von wiederverwendbaren Chai-Bechern zu essbarem Besteck und sogar essbaren „Plastik“-Tüten, die sich in Indien und auch weltweit schnell als günstige Alternativen etablieren könnten.

Nur acht Monate Bauzeit: So sieht das größte Solarkraftwerk der Welt in Indien aus

Indien hat das größte Solarkraftwerk der Welt fertiggestellt. Bei voller Kapazität kann das neue Kraftwerk in der Tamil Nadu Region bei Kamuthi genügend Strom für 150.000 Haushalte erzeugen.

In nur achtmonatiger Bauzeit fertiggestellt, trägt das vier Quadratmeilen große Solarkraftwerk dazu bei, bis zum Jahr 2030 nur noch 40 Prozent der Energie in ganz Indien aus fossilen Ressourcen zu speisen. 679 Millionen Euro hat das Projekt gekostet und umfasst 2,5 Millionen einzelne Solarmodule.

ACHT MONATE BAUZEIT: DAVON TRÄUMT DER FLUGHAFEN BERLIN-BRANDENBURG

Über 8.000 Menschen haben jeden Tag an diesem Projekt gearbeitet. Die Errichtung der Anlage reiht sich ein in eine inzwischen traditionell indische Manier des Schnellbauens, was grüne Pläne angeht. Anfang des Jahres hatte Indien in 24 Stunden ganze 60 Millionen Bäume im Rahmen eines Aufforstungsplanes gepflanzt. Es geht mit großen Schritten vorwärts.

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Die neue Anlage in Kamuthi wird jeden Tag von einem automatischen Roboter-System gereinigt, das von den eigenen Solarzellen angetrieben wird. Ein Selbstversorger sozusagen.

INDIEN IM KAMPF GEGEN KATASTROPHALE LUFTVERSCHMUTZUNG IN DEN METROPOLEN

Das Projekt soll helfen, bis 2022 über 60 Millionen indische Häuser an den Sonnenstrom zu bringen und soll außerdem dazu beitragen, das große Problem der Luftverschmutzung zu lösen. Mitte des Herbstes 2016 erreichte das Verschmutzungsniveau in der Hauptstadt Neu-Delhi sein schlechtestes Ergebnis in 17 Jahren. Über 1.800 Schulen wurden kurzzeitig geschlossen um zu verhindern, dass Millionen von Menschen den tödlichen Smog einatmen.

Trotz der wachstumsstarken Solarenergiebranche wird Indien die Effizienz und Anzahl ihrer Photovoltaik-Anlagen weiter steigern müssen, um die sehr ehrgeizigen Pläne seiner Regierung zu realisieren. Ab dem kommenden Jahr will Indien nach China und den USA zum drittgrößten Solarmarkt der Welt avancieren.

SOLARENERGIE: EIN GLOBALER TREND BLEIBT BELIEBT

Indien ist jedoch nicht allein mit seinen Ambitionen in Richtung Solartechnik: Indien und China gleichermaßen drängen seit einiger Zeit stark auf den Markt für erneuerbare Energien. Das ist wichtig, denn beide Länder sind riesig und sorgen für starke Verschmutzung. Über 1,3 Milliarden Menschen nennen diese Länder ihr Zuhause und lassen die Nachfrage an Energie von einigen kleinen europäischen Ländern alt aussehen. Weltweit ist Indien einer der Top 10 Treibhausgasemitter und arbeitet inzwischen stark an diesem schlechten Image.

Marokko ist ein weiteres Land, welches stark in erneuerbare Energien investiert. 2018 soll die Solaranlage “Noor 1” abgeschlossen sein, die laut Schätzungen 580 MW Leistung für 1,1 Millionen Menschen zu 20 Stunden am Tag bereitstellen soll. Das riesige Areal, welches – noch im Bau befindlich – schon vom Weltraum aus zu sehen ist, soll die die Nutzung von fossilem Brennstoff des Landes um 2,5 Millionen Tonnen Öl verringern und dürfte sogar noch genügend Energie für den Export nach beispielsweise Europa generieren.

In Mexiko-Stadt sorgen bepflanzte Betonpfeiler und Brückenabschnitte für saubere Luft

Eine Bürgerinitiative in Mexiko-City hat 700 Betonpfeiler und Brückenabschnitte im Straßenverkehr bepflanzen lassen. Die Begrünung soll pro Jahr 27.000 Tonnen Luft von Feinstaub und Schwermetallen befreien.

Vertikale Gärten reinigen die Luft. Insbesondere in belebten, vollen Großstädten werden sie daher zu wahren Helden: Sie sorgen für eine angenehme Temperatur, lassen verbrauchte Luft zirkulieren und filtern Feinstaub und Schwermetalle aus der verschmutzten Luft. Eine Bürgerinitiative in Mexiko-Stadt hat nun 700 Betonpfeiler begrünen lassen – für den Kampf gegen die Luftverschmutzung in der Megacity mit 20 Millionen Einwohnern.

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Foto: Via Verde, Mexico City
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Foto: Via Verde, Mexico City

DIE 20 MILLIONEN EINWOHNER STADT  VERSINKT IN ABGASEN

Viele Tage im Jahr verschwinden nicht nur asiatische Megacities, sondern auch Mexiko-Stadt unter einer Glocke aus Smog. 20 Millionen Einwohner der Metropolregion sind tagein, tagaus vergifteter Atemluft ausgesetzt. Statistiken zufolge starben in manchen Jahren bis zu 4.000 Menschen an eingeatmetem Smog. Im letzten Jahr war Mexiko-Stadt dazu angehalten, den Notstand auszurufen: Die Luftqualität war laut WHO auf einen drastischen Wert gesunken.

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Foto: Via Verde, Mexico City

DIE BEGRÜNUNG IM STRAßENVERKEHR FILTERT 27.000 TONNEN LUFT

Abhilfe sollte schließlich die Idee einer neuen Bürgerinitiative schaffen: Das Projekt „Via Verde“ sah vor, 700 Betonpfeiler, die Hochstraßen und Brücken stützen, zu bepflanzen. Die vertikalen Gärten erweiterten die Grünfläche der Stadt um insgesamt 40.000 Quadratmeter. Berechnungen der Bürgerinitiative zufolge, die das Projekt “Via Verde” im Jahr 2015 ins Leben rief, sollten die grünen Pfeiler pro Jahr 27.000 Tonnen Luft filtern, dabei Feinstaub und Schwermetalle aufnehmen.

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Foto: Via Verde, Mexico City

Die Stadt unterstützte das Vorhaben. Erste Untersuchungen belegen, dass die Luftqualität in den Arealen mit bepflanzten Pfeilern tatsächlich steigt, gleichzeitig lässt das Grün am Seitenstreifen die Zahl der Unfälle sinken.

Auch andere Weltstädte sind nun auf die Initiative der Mexikaner aufmerksam geworden: Die indische Stadt Neu-Delhi prüft aktuell, die Idee zu übernehmen. Laut Weltgesundheitsorganisation WHO zählt Neu-Delhi zu den Städten mit der schlechtesten Luft weltweit.

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Foto: Via Verde, Mexico City

GRÜNE POLITIK – MADE IN MEXIKO

Die Initiative „Via Verde“ reiht sich ein in eine Mehrzahl von Versuchen, die Luftverschmutzung in der mexikanischen Metropole zu bekämpfen. Die Umweltbehörde der Metropolregion unterstützt die Begrünung von Dächern, richtete ein staatlich gefördertes Leihsystem von Fahrrädern ein und stattete alle öffentlichen Busse mit Rußfiltern aus.

Drastisch gestiegen ist außerdem die Höhe der Geldstrafe, die Autofahrer zahlen müssen, wenn sie im Straßenverkehr an einem Tag mit Fahrverbot erwischt werden: Das tritt in Kraft, sobald die Schadstoffbelastung der Luft die Grenzwerte überschreitet. Dieselfahrzeuge sollen von 2025 an komplett aus der Stadt verbannt werden – ein radikaler Einschnitt, den Mexiko-Stadt im Dezember gemeinsam mit den ebenfalls vom Smog geplagten europäischen Städten Paris, Madrid und Athen beschlossen hat.

Weltrekord: Indien pflanzt 66 Mio. Bäume in zwölf Stunden gegen globale Erwärmung

Im indischen Bundesstaat Uttar Pradesh, der mit etwa 200 Millionen Einwohnern bevölkerungsreichste Bundesstaat Indiens, haben mehr als 1,5 Millionen freiwillige Menschen über 66 Millionen junge Bäume in die Erde gebracht, – innerhalb nur eines einzigen Tages. Die Aktion richtete sich im Rahmen der Paris Climate Change Conference gegen die globale Erwärmung. Mit ihr sei ein neuer Weltrekord erklommen, so ein Sprecher der indischen Regierung.

Inder aus allen Bevölkerungsschichten, Studenten, Hausfrauen, Handwerker, Politiker und Regierungsvertreter kamen anlässlich der indischen Zusagen im Pariser Klimaabkommen zusammen, um freiwillig junge Bäume einzupflanzen. Im Abkommen, das Indien am Earth Day 2016 unterzeichnete, verpflichtete sich eines der größten Länder der Erde, insgesamt 6 Milliarden US-Dollar aufzubringen, um 12 Prozent der Landesfläche aufzuforsten. Bis 2030 sollen 29 Prozent des indischen Territoriums beforstet sein.

Foto:  Rajesh Kumar Singh / Associated Press
Foto: Rajesh Kumar Singh / Associated Press
Foto:  Rajesh Kumar Singh / Associated Press
Foto: Rajesh Kumar Singh / Associated Press

INDIEN ÜBERSPRINGT DEN PAKISTANISCHEN WELTREKORD IM BÄUME PLFANZEN

Gepflanzt wurde entlang kleiner Wege, viel befahrener Straßen, Zugstrecken und innerhalb der Forstflächen. Die indische Landesregierung, die die 66 Millionen jungen Bäume aus über 80 verschiedenen Baumarten zur Verfügung stellte, sicherte sich mit der von ihr initiierten Baumpflanzaktion einen Platz im Buch der Weltrekorde.

Vertreter des Guiness Buch der Rekorde bestätigten, dass der bisherige Baumpflanzrekord bei weitem übertroffen wurde. Dieser lag bei 847.275 gepflanzten Bäumen an einem Tag in Pakistan im Jahr 2013. Nun liegt Indien vorne.

Foto: Twitter / Shivraj Singh Chouhan
Foto: Twitter / Shivraj Singh Chouhan

INDIEN WILL EINE VORREITERROLLE ÜBERNEHMEN – UND MUSS ES AUCH

“Die Welt hat erkannt, dass ernsthafte Anstrengungen erforderlich sind, um die Auswirkungen des globalen Klimawandels zu verringern. Uttar Pradesh hat in dieser Hinsicht einen Anfang gemacht“, so Akhilesh Yadav, Premierminister des Bundesstaats über die viel beachtete Aktion. Die Aufforstung ist eines der wesentlichen Elemente der indischen Klimaschutzpolitik.

Indien macht in letzter Zeit immer wieder mit neuen Umweltschutzmaßnahmen auf sich aufmerksam. Erst Anfang des Jahres hat Indiens Hauptstadt Neu Delhi alle Arten von Einwegplastik verboten. Dieses Engagement fügt sich in die angestrebte Vorreiterrolle Indien im weltenweiten Engagement gegen die globale Erwärmung. Indien zählt allerdings auch zu den Ländern, die weltweit am meisten Treibhausgase produzieren.

Foto: Unbekannt
Foto: Unbekannt