Start-up will solarbetriebene Brotbackofen an notleidende Menschen in Südafrika verteilen

In vielen Teilen der Welt gilt Brot als das Grundnahrungsmittel Nummer eins. Zumeist wird es ganz traditionell in heimischen Holz- oder Kohleöfen gebacken. Vor allem in ärmeren Ländern gerät das Brotbacken allerdings auch zum Gesundheitsrisiko: In den spartanischen Hütten vieler Einheimischer beispielsweise auf dem afrikanischen Kontinent sammelt sich der Ofenrauch in stickigen Lehmhütten. Dies schädigt vor allen Dingen die Lungen. Ein studentisches Start-up hat nun eine schadfreie Alternative entwickelt, – und wurde dafür ausgezeichnet.

„Power Your Bread“ heißt das junge Unternehmen, das eigens entwickelte Solar-Brotöfen an regionale Bäcker aus den untersten Einkommensschichten in Südafrika verleiht. Mit diesen können die notleidenden Bäcker vor Ort Brote auch vor der Haustür backen und damit das Einatmen von Schadstoffen und Rußpartikeln vermeiden. 

EINE ALTE PHILOSOPHIE: HILFE ZUR SELBSTHILFE

Zugleich helfen die Solar-Brotöfen von „Power Your Bread“ auch in der Bekämpfung von Hunger und extremer Armut in Bezug auf diejenige, die nicht selbst backen: Der Preis für gebackenes Brot vergünstigt sich durch die einfache Alternative zum heimischen Kohle- oder Holzofen, sodass auch Menschen, die unterhalb der Armutsgrenze leben, schneller an ein Laib Brot kommen.

„Power Your Bread“ steht für eine alte Philosophie: Hilfe zur Selbsthilfe. Das Unternehmen will Menschen Mittel in die Hand geben, um sich selbst helfen zu können und auf gesunde und nachhaltige Weise ihren eigenen Lebensunterhalt zu verdienen.

WIE DER SOLARBETRIEBENE BROTBACK-OFEN FUNKTIONIERT

Der Ofen wird vollständig mit Solarenergie betrieben, so dass er an entlegenen Orten ohne Infrastruktur als Quelle für Elektrizität verwendet werden kann und als unabhängige Energieeinheit dient.

Das Produkt befindet sich derzeit noch in der Entwicklungsphase und soll bei Fertigstellung an einem Tag mit fünf Stunden Sonnenlicht ungefähr 24-30 Kilogramm Brot produzieren können.

Das Team von „Power Your Bread“ fügt dem Ofen-Prototyp derzeit weitere Funktionen hinzu, mit denen beispielsweise ein Mobiltelefon aufgeladen und Glühbirnen mit Strom versorgt werden können.

Das Projekt verkörpert die Vision von „Power your bread“, indem es die Bedürfnisse der Gesellschaft befriedigt, ein technisches Produkt zur Verfügung stellt, um die Menschen durch die Generierung von lokaler Wirtschaft und Unternehmertum zu stärken und Solarenergie zu nutzen, und um einen Wandel in der Gesellschaft zu erreichen.

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Diese solarbetriebene Schule in Kopenhagen setzt auf Ernährung, Bewegung und Sensorik

Zwischen den Inseln Brygge, dem Hafen von Kopenhagen und Amager Commons entsteht derzeit die New Islands Brygge School. Die solarbetriebene Schule will einen besonderen Fokus auf Ernährung und Bewegung setzen.

Die spezielle Ausrichtung der Schule ermöglicht es den Schülern, theoretischen Unterricht mit physischem, sensorischem und erfahrungsbasiertem Lernen zu verbinden. Diese Art des Lernens hat der New Islands Brygge School seine Gestalt verliehen. Mit seiner dreieckigen Form ahmt das Gebäude die Strukturen der angrenzenden Stadt und des Hafens nach. Die galten jeweils auch als Inspiration für die Wahl der Materialien und der Farbgebung des Komplexes.

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Foto: C.F. MØLLER ARCHITECTS

Da Nahrung ein Schlüsselelement der Identität der Schule ist, ist der Speisesaal der zentrale Raum. Der Speisesaal mit doppelter Decke ist nicht einfach nur die Cafeteria, sondern auch der Knotenpunkt, der alle Funktionen der Schule miteinander verbindet. Das macht den Speisesaal zum Treffpunkt, an dem sich die Schüler über die vielen Aktivitäten der Schule hinweg treffen können.

C F Moeller School lets student grow their own food
Foto: C.F. MØLLER ARCHITECTS

Da Bewegung ein weiterer Schwerpunkt der Schule ist, ist es wichtig, dass die Architektur der Schule körperliche Aktivität und Spiel motiviert und fördert. Das wird insbesondere durch die dynamische spiralförmige Gestaltung des Gebäudes erreicht, die mit einer breiten Treppe zur Dachfläche der Schule lädt. Die Dachlandschaft ermöglicht den Zugang zu mehreren Bereichen der Schule, so dass die Schüler bei jedem Raumwechsel einen unterhaltsamen Kurzurlaub über das Dach machen können.

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Foto: C.F. MØLLER ARCHITECTS

Der obere Teil des Daches ist das Sportgelände, mit reichlich Gelegenheit für körperliche Aktivität auf der Laufstrecke, im Parkour-Bereich, oder auf dem geschlossenen Ballplatz.
Die Innen- und Außenräume der Schule sind so angelegt, dass sie in engem Kontakt zueinander stehen.

Der Schwerpunkt liegt jedoch nicht nur darin, den Schülern beizubringen, wie sie Obst und Gemüse in den schuleigenen Gärten anbauen und ihre eigenen Mahlzeiten zubereiten können. Es gibt außerdem einen Schwerpunkt in körperlicher Aktivität, was bedeutet, dass es eine Reihe von Freizeiteinrichtungen in den vier Ebenen des Komplexes geben wird. Die gesamte Schule kann von drei verschiedenen Eingängen aus betreten werden, bei denen jeder sein eigenes einzigartiges Gefühl hat, wenn er den zentralen Raum erreicht.

DIE ARCHITEKTEN SIND KEINE UNBEKANNTEN

Die Architekten C.F. Møller wurde mit der Schaffung der New Islands Brygge School in Kopenhagen beauftragt. Mit einer Größe von 105.690 Quadratmetern bietet diese neue Schule bis zu 784 Schülern Platz; mit zusätzlichen Räumen für die Mitarbeiter und verschiedene Aktivitäten. Zusätzlich wird es einen großen Außenbereich mit einem zusätzliche Biologiegarten und mehreren Gewächshäusern geben.

C.F. Møller betrachten Umweltbewusstsein, Ressourcenbewusstsein, gesunde Projektfinanzen, soziale Verantwortung und gute Handwerkskunst als wesentliche Elemente ihrer Arbeit. Dieses Ethos soll grundlegend für all ihre Projekte sein, ein roter Faden, der von der Masterplanung bis zum Detaildesign reicht.

„Wir möchten eine Lernatmosphäre von hoher Qualität für Lehrer, Schüler und Mitarbeiter schaffen, mit besonderem Fokus auf die Gestaltung von Innen und Außen. Die Schule soll auch Treffpunkt für lokale Vereine und Sportvereine sein, mit einfacher Erreichbarkeit und offenem Design, damit sich auch Nicht-Schüler in der Schule willkommen fühlen.“

Martin Lose, Sektionsdirektor bei dem Bauunternehmen für das Projekt,
MT Højgaard

C.F. Møller hofft auf die Zertifizierung durch die Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB). Diese Organisation stellt strenge Richtlinien für sechs Aspekte eines Gebäudes auf, einschließlich der Umweltauswirkungen, der Technologie und des Standorts. Die New Islands Brygge School wird „Lüftung mit Wärmerückgewinnung, natürliche Lüftung, tageslichtgesteuerte Beleuchtung und eine hochgradig isolierte Hülle“ bieten. In den Dachgärten wird es zudem Sonnenkollektoren geben, die eine Energiequelle für die Schule bieten werden.

NOCH STECKT DIE SCHULE IN IHREN KINDERSCHUHEN

Die New Islands Brygge School soll bis Mai 2020 fertig sein, pünktlich zum dann startenden Schuljahr und um den Schulmitarbeitern und Kindern Zeit für den Transfer zu geben. Dieser Zeithorizont bietet hoffentlich ausreichend Zeit für Planung und Bau, während gleichzeitig versucht wird, den nachhaltigen Bedürfnissen gerecht zu werden.

Chinesische Militärtruppen werden eingezogen, um einen Wald in der Größe Irlands zu pflanzen

Über 60.000 Soldaten und Militärangehörige der chinesischen Volksbefreiungsarmee werden derzeit mit einer überraschenden neuen Initiative beauftragt: Sie sollen sich an der Wiederaufforstungsmission des Landes beteiligen und landesweit eine Gesamtfläche von 84.000 Quadratkilometern bepflanzen.

Laut chinesischen Medien kündigte die Zentralkommission des Landes an, Regimenter der Volksbefreiungsarmee und einige bewaffnete Polizeibeamte im Inland von ihren Posten entlang der Nordgrenze abzuziehen, um Setzlinge in die Erde zu bringen. Bis zum Ende des Jahrzehnts will die chinesische Regierung 23 Prozent der gesamten Landmasse bewalden; der derzeitige Wert liegt bei 21 Prozent.

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Foto: Asia Times / PLA Daily

Die stark verschmutzte Provinz Hebei, die Peking umgibt, hat sich verpflichtet, ihre gesamte Waldfläche bis Ende 2020 deutlich auszuweiten. Der Großteil der von den Frontlinien zurückgezogenen Truppen soll nun zur Aufforstung in eine Provinz entsandt werden, die die Hauptschuld für die Entstehung von Rauch und Smog trägt, die in der kalten Jahreszeit nicht nur Peking, sondern auch große Teile Nordchinas bedecken.

„GRÜNE HELFER“ SIND BEI CHINAS POLIZEI NICHTS NEUES

Für derartige Aufgaben verfügt die Chinesische Bewaffnete Volkspolizei bereit einen speziell dafür vorgesehenen Forstwirtschaftszweig. In bewaldeten Gebieten wie der nordöstlichen Bergkette des Großen Hinggan-Gebirges, die auch als „Chinas grüne Lunge“ bezeichnet wird, sowie in den Provinzen Heilongjiang und Innere Mongolei patrouillieren die „grünen Helfer“ und üben dort ebenfalls die Verwaltungsgerichtsbarkeit aus.

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Foto: Asia Times / PLA Daily

CHINAS SOLDATEN ARBEITEN ZUNEHMEND FÜR INFRASTRUKTURMISSIONEN

Laut Asia Times herrscht Freude darüber, dass die Soldaten zu nicht-militärischen Aufgaben in den Süden abgezogen werden. Vor allem das wärmere Klima, im Vergleich zur Arbeit an der frostigen Nordgrenze, soll das chinesische Militär erleichtern. Ränge und Vergütung bleiben unverändert.

Seit 2015 hatte Peking einen Plan zur Entlassung von 300.000 Soldaten angekündigt. Zahlreiche der Militärposten wurden in Infrastrukturmissionen umgewandelt, und für die Wiederbelebung wichtiger staatlicher Infrastrukturprojekte eingesetzt.

Pacific Garbage Screening: Wird dieser deutsche Riesenkamm die Ozeane von Plastikmüll befreien?

Plastik schwimmt nicht nur auf der Oberfläche des Ozeans – ein großer Teil des Mülls sinkt unter die Wasseroberfläche. Die Strömungen und Umwälzungen in den Ozeanen ziehen die Kunststoffteile unter Wasser. Ohne den Strom würde Kunststoff wie in einem Schwimmbecken auf der Oberfläche schwimmen, denn Kunststoff ist leichter als Wasser.

FORSCHUNG AUS AACHEN: PACIFIC GARBAGE SCREENING

Es sieht aus wie ein riesiger Kamm oder eine Muschel und es nutzt seine spezielle Form dazu, Abwasser und Plastikteile aus dem Meer zu filtern. „Pacific Garbage Screening“ nennt sich die schwimmende Anlage, die sich derzeit in der Entwicklungsphase in Aachen befindet.

Pacific Garbage Screening reinigt den Pazifik vom Unrat
Foto: Pacific Garbage Screening

Die PGS-Plattform ist architektonisch darauf ausgelegt, die Strömung zu beruhigen und den Kunststoff wieder an die Oberfläche zu schieben. 35 Meter lang „Kiele“ bilden unterhalb der Plattform ein Kanalsystems von etwa 400 Metern Länge. „Das Wasser fließt durch das Kanalsystem, während die Bewegungen des Meeres Punkt für Punkt beruhigt werden“, erklärt die Initiatorin des Projekts, Marcella Hansch, Architektin aus Aachen. Der Kunststoff kann nun durch seinen eigenen Auftrieb abgeschöpft werden.

Pacific Garbage Screening Querschnitt
Foto: Pacific Garbage Screening

„Wir wissen aus ersten Berechnungen, dass dieses Prinzip funktionieren wird“, sagt Hansch. Das Projekt Pacific Garbage Screening war ihre Masterarbeit in Architektur. Vor vier Jahren entwarf sie das System. Jetzt steht ein 15-köpfiges Team von Freiwilligen hinter dem Projekt.

DIE MÜLLANSAMMLUNGEN IM MEER KÖNNTEN AUFGELÖST WERDEN

Aufgrund der Meeresströmungen sammelt sich der Müll auf dem offenen Meer bisher in fünf riesigen Meereswirbeln. Inzwischen ist im Nordpazifik der sogenannte „Great Pacific Garbage Patch“ entstanden, in dem sich extrem viel Plastik angesammelt hat. Laut dem NABU hat diese Ansammlung von Müll die Größe von der Fläche Mitteleuropas und wiegt über 100 Millionen Tonnen. Insbesondere an solchen Hotspots könnte die PGS-Anlage dazu verwendet werden, die Ozeane effektiv vom Müll zu befreien.

Hier könnte die Plattform die natürliche Meeresströmung ausnutzen: Die rund 400 Meter breite und ebenso lange Anlage könnte mit starken Seilen im Meeresboden verankert werden. Die Verankerung soll nur an der „Vorderseite“ der Plattform (der offenen Seite des „Kamms“) befestigt sein, damit das gesamte System optimal auf die Strömung ausgerichtet werden kann. Auf der Rückseite des PGS befinden sich Maschinenräume, Lagerräume und Wohnräume für die Besatzung. Nach der Vision der Erfinderin könnte die Anlage auch als Forschungsstation dienen.

WARUM VERSCHWINDET DER KUNSTSTOFF NICHT?

Die Zersetzung eines einzelnen Partikels hängt von seiner Zusammensetzung und den Umweltbedingungen ab – aus Erdöl hergestellt, hat Kunststoff eine sehr lange Haltbarkeit.

Im Meer haben beispielsweise Plastiktüten eine Lebensdauer von bis zu 20 Jahren, dabei zersetzen sie sich jedoch nicht vollständig; sie werden in winzig kleine Mikroplastiken zerbrochen. Im Vergleich dazu wird eine Papiertüte bereits nach zwei bis drei Wochen vollständig abgebaut. Noch kritischer sind Plastikflaschen oder „Six-Pack-Ringe“. Nach heutigem Kenntnisstand werden sie erst nach etwa 400 bis 450 Jahren abgebaut.

MEHRERE NUTZUNGSMÖGLICHKEITEN VON PLASTIK WÄREN DENKBAR

Aus dem Meer gefischtes Plastik wurde bereits vom Salzwasser angegriffen und kann normalerweise nicht mehr recycelt werden. Doch anstatt es nun an Land zu verbrennen, haben sich Hansch und ihr Team eine sinnvollere Maßnahme überlegt: Sie wollen den Müll in Wasserstoff und Kohlenstoffdioxid umwandeln. Der Wasserstoff soll als Brennstoff für Brennstoffzellen dienen und als Energiequelle für die Anlage dienen.

Das Kohlenstoffdioxid, das aus dem Plastikabfall kommt, könnte auf der Wasseroberfläche innerhalb der Anlage extra kultiviert werden. Diese Algenbiomasse wiederum könnte als Quelle für biologisch abbaubares Algenplastik dienen – der Kreislauf wäre geschlossen. „Was diesen zweiten Schritt betrifft, wird jedoch immer noch viel geforscht“, sagt Hansch.

Plastikmüll Kreislauf Kohlenstoffdioxid Wasserstof
Foto: Plastic Garbage Screening

DAS PROJEKT SOLL ZUM DENKEN ANREGEN

Die Implementierung der Plattform wird wahrscheinlich eine Weile dauern – noch is das Projekt nicht finanziert. Die gemeinnützige Organisation, die hinter der PGS steht, hofft, in diesem Jahr durch Forschungsgelder, Spenden und ein geplantes Crowdfunding weitere Forschungen, erste Modellversuche und den Bau von Prototypen finanzieren zu können.

Marcella Hansch Plastic Garbage Screening
Marcella Hansch setzt auf Unterstützung in 2018

Das Team hinter dem Pacific Garbage Screening sieht sein Projekt als „schwimmenden Symbolträger für das größte Umweltproblem unserer Zeit“. Die Hoffnung: Das Projekt könnte nicht nur eines Tages die Meere retten, sondern jetzt mehr Aufmerksamkeit auf das Problem lenken.

Zwei Hamburgerinnen kämpfen mit fairem Mode-Leihgeschäft gegen Fast Fashion-Kaufrausch

Wir treffen Pola Fendel, (Mit-)Gründerin der Kleiderei: Einer Leihbibliothek für Mode. Shared Fashion ist im Kommen, – und will zum achtsamen Kleiderkonsum anregen. Eine Begegnung.

Wir treffen Pola Fendel zum Gespräch im Yafo, einem angesagten israelischen Restaurant in Berlin-Mitte. Sie verspätet sich um ein paar Minuten, – klarer Fall von unterschätzten Fußwegen; kann in Berlin schonmal vorkommen. Pola hat gute Laune, freut sich auf einen warmen Tee – seit ein paar Tagen kränkelt sie. Wir setzen uns an einen liebevoll dekorierten Tisch in der Ecke, im Hintergrund dudelt israelische Musik. „Ihr müsst aufpassen, dass ich nicht pausenlos rede“, sagt sie lachend. Wir haben die wichtigsten Fragen vorbereitet, der Rest kommt so.

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Foto: Denys Karlinskyy / Kleiderei

Wie kam die Idee zur Kleiderei? Das Online- und Offline-Leihgeschäft mit gebrauchter und eingekaufter fairer Mode floriert. Auch die mediale Aufmerksamkeit reißt seit Tag 1 nicht ab. Mit ihrer Schulfreundin Thekla Wilkening hat Pola 2012 das erste Geschäft in Hamburg eröffnet. Von der ersten Ladenzeile bis hin zur Eröffnung des Onlineshops und dem ersten Franchise-Store in Köln war es ein langer Weg. „Wir wollten Kleider wie Bücher in einer Bücherei ausleihen können – nach ein paar Wochen des Brainstormings und der Recherche haben wir verstanden, dass es das Konzept in Deutschland so noch nicht gab.“ Amsterdam hat „Lena’s Library“ und noch weiter weg, in den USA, gibt es „Rent the Runway“, was aber, genauso wie „Temporary Wardrobe“ in Stuttgart, eher die besser betuchten Kunden anspricht.

Wie sieht das Konzept von Kleiderei genau aus? Als Kunde zahlt man monatlich einen festen Betrag an das Unternehmen, welches einem vier Kleidungsstücke zuschickt, die nach frühestens einem Monat wieder zurück geschickt werden können. Um den Anforderungen der Kundschaft gerecht werden zu können, wird die Auswahl der Kleidungsstücke für jeden Kunden eigens kuratiert, hierzu füllt man zu Beginn der Partnerschaft einen Fragebogen aus, der Präferenzen (Farbe, Passgröße, Schnitt, Stil) berücksichtigt. Die Preise für die Teilnahme an Kleiderei orientieren sich am Servicegrad. Online kostet das Abo 49 Euro, im Franchise-Store in Köln nur 25 Euro. Das liegt am Versand und an den Reinigungskosten, die Online anfallen.

Gab es bei Kleiderei schon Misstrauensfälle, etwa Diebstahl? Pola verneint: „Das ist noch nicht vorgekommen. Für den Fall der Fälle haben wir unseren Anwalt. Und wir wissen, wo Du wohnst“, sagt sie mit einem Zwinkern. Kleiderei kauft Vintage-Kleidung und kooperiert mit Jungdesignern. „Die Jungdesigner kennen Thekla und ich teilweise noch persönlich aus dem Studium, wir legen besonders wert auf faire Herstellung bei den Labels, mit denen wir kooperieren“, sagt Pola und fügt hinzu: „Fair bedeutet für uns, dass die Produktion teilweise zertifiziert ist, auf lokale Zulieferer zurückgreift oder eine transparente Lieferkette ausweisen kann. Faire Löhne und faire Arbeitsbedingungen verstehen sich von selbst.“

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Foto: Denys Karlinskyy / Kleiderei

Wir fragen Pola, ob sie selbst auch hinter ihrem Konzept steht und ob es sich davon leben lässt. Pola lacht: „Ich selbst bin mein bester Kunde, die Hose und der Pulli den ich trage – kommt alles aus der Kleiderei. Ich stehe auch persönlich hinter dem Prinzip. Mir wird schlecht, wenn ich daran denke, wieviel Kleidung tagtäglich von uns weggeworfen wird. Die Kleidungsstücke sind in den wenigsten Fällen abgenutzt – sie gefallen uns nur einfach nicht mehr.“ Sie fügt hinzu: „Das ist das Schlimmste an der ganzen Fashion Industry: Wir kaufen Kleidung, für deren Herstellung Menschen am anderen Ende der Erde ausgebeutet werden Mit unserem Verhalten nutzen wir als westliche Frauen unsere vermeintliche „Vormachtstellung“ aus. Wir müssen alle weniger kaufen. Deshalb gibt es Kleiderei. Wir wollen faire Kleidung unterstützen, also kooperieren wir mit den Jungdesignern mit genau diesem Konzept. „Unfaire“ Kleidung hingegen, die bereits produziert ist, können wir nicht mehr verhindern. Zudem kann uns jede Kundin ihre Fehlkäufe oder Ex-Lieblingsstücke zum Verleihen schicken und das komplett unabhängig vom Label.“

Auf die Frage hin, ob ihr Konzept in jeder Stadt funktionieren kann, nickt Pola bestimmt. „Auf jeden Fall. Sowohl in ländlichen Gegenden, als auch in den großen Städten sind die Kunden begeistert vom Konzept, wir haben ebenso viele Frauen aus München, wie wir Frauen aus kleineren Städten haben.“ Sind die Kunden also nur Frauen? „Hauptsächlich, ja. Wir haben ein paar Männer, die kaufen das Abo allerdings meist nur als Geschenk für ihre Freundinnen.“ Männer seien dabei auch gar nicht das Problem, sagt Pola. „Wir sind das Problem – die Frauen. Wir kaufen zu viel und sind damit noch unzufrieden.“

Wann hat Pola das letzte Mal ein Kleidungsstück für sich selbst gekauft? „Ich habe im Februar 2017 das letzte Mal etwas für mich gekauft – ein Kleid von „Black Velvet Circus“, das ist eine unserer Designer. Dazu möchten wir mit Kleiderei auch motivieren – dass die Leute in unsere Kleidung reinschnuppern und sich bei Gefallen dann wirklich etwas von diesen nachhaltigen Herstellern zulegen. Ich möchte damit Fair Fashion unterstützen, da halte ich einen Kauf für gerechtfertigt.“ Auf Nachfrage nennt Pola vier ihrer Designer-Koops, die sogar zertifiziert sind. Das sind unter anderem Jan’n’June, Lanius, Ethnotek und Kings of Indigo.

Nach fast fünf Jahren lässt sich von der Kleiderei auch leben. „Ich bin jetzt 27 und ich war ein Küken, als wir mit Kleiderei anfingen. Jetzt haben wir den Dreh raus. Wir verarbeiten das Feedback unserer Kunden und unser inzwischen 7-Köpfiges Team arbeitet wie ein Uhrwerk – absoluter Zusammenhalt.“

Auf Bali haben 20.000 Einheimische 65 Tonnen Plastikmüll an nur einem Tag eingesammelt

Eine Gruppe namens One Island One Voice hat Ende Februar eine großangelegte Aktion durchgeführt, um die Strände der indonesischen Insel Bali von Unrat und angespültem Müll zu säubern. 20.000 Menschen, davon 85% Einheimische, haben an nur einem Tag an 120 Orten auf Bali 65 Tonnen Müll eingesammelt.

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Das Aktion ist eine jährlich wiederkehrende Veranstaltung, die die Gemeinschaft auf Bali vereint, um eine ihrer schönsten Ressourcen zu schützen.

Letztes Jahr wurden 40 Tonnen Müll von etwa 12.000 Menschen an nur 55 Orten gesammelt. Mit steigender Teilnehmerzahl und steigender Anzahl der Orte ist die Aktion dieses Jahr noch einmal erfolgreicher gewesen, als letztes Jahr.

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Foto: One Island One Voice

One Island One Voice möchte die Aufmerksamkeit auf die Auswirkungen des Tourismus auf die ökologische Umwelt von Bali und auf die enorme Menge an Müll durch Besucher, Unternehmen und lokale Bewohner lenken. Die Organisation dient als eine Art Dachverband für alle Arten von lokalen Gruppen, die daran arbeiten, ein „grüneres, saubereres Bali“ zu fördern.

„Diese Veranstaltung ist nicht nur eine Säuberungsaktion, es soll Bewusstsein und Verständnis dafür wecken, was wirklich in Bali passiert. Alles, was man braucht, ist ein oder zwei Stunden Müll aufzusammeln. Man beginnt zu begreifen, dass diese Einweg-Kunststoffe der Gemeinschaft mehr Schaden als Nutzen bringen. „

Rima Agustina, eine der Koordinatoren der Veranstaltung

Obwohl das Müllproblem teilweise von Touristen verursacht wurde, hat die ständige Sichtbarkeit des Mülls dem Tourismus jedoch gleichzeitig geschadet. Sara Craves, eine OIOV-Sprecherin, erklärte, dass einige Touristen, nicht wiederkommen möchten, nachdem sie gesehen haben, wie viel Plastikmüll an den Strand wäscht. Bali hat jedoch nur fünf legale Müllhalden, beherbergt aber inzwischen eine enorme Menge an Menschen, die zum Beispiel auch in der Hotelbranche arbeiten. In den Bergen oder Flüssen wird der Überschuss an Müll dann illegal verbrannt oder abgeladen.

Die Abfälle, die am „Dreckwegtag“ vom OIOV gesammelt wurden, werden zu geeigneten Recyclingzentren gebracht und zum Recycling, Upcycling oder zur Umwandlung in EcoBricks sortiert. Wichtig für die Organisatoren ist nicht so sehr die Reinigung selbst, die an einem einzigen Tag durchgeführt wird, sondern die Anzahl der Menschen, die durch die Botschaft erreicht werden. Es muss sich etwas ändern – bevor Balis Meer und Strände vom Plastikmüll verzehrt werden.

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Foto: One Island One Voice

Französische Modemarke Lacoste kämpft mit neuen Logos gegen das Aussterben bedrohter Tierarten

Seit 85 Jahren ziert das berühmte Krododil die ikonischen Polo-Shirts von Lacoste und ist damit eines der bekanntesten Markenlogos der Welt. Zum ersten Mal in der Geschichte der französischen Modemarke will sich die Image-Marke nun verändern. Aber keine Sorge: Das Ganze ist nur für die Dauer einer Werbekampagne gedacht – und für einen guten Zweck. Die Shirts sind bereits restlos ausverkauft. Spenden kann man allerdings trotzdem noch.

Lacoste vom Aussterben bedrohte Tierarten

LACOSTE. SAVE OUR SPECIES

„Save Our Species“ heißt die globale Kampagne, die Lacoste gemeinsam mit der Internationalen Union für die Erhaltung der Natur und der natürlichen Ressourcen (IUCN) auf das weltweite Artensterben aufmerksam machen will. Neben dem legendären Krokodil-Logo hat die Marke zusammen mit der Agentur BETC Paris die Motive von zehn der weltweit am stärksten bedrohten Tierarten für insgesamt 1775 weiße Polohemden aufgegriffen.

TRAURIG: ANZAHL DER LIMITIERUNG ENTSPRICHT DER ANZAHL DER TIERE

Das „Highlight“ der limitierten Polos: Die Anzahl der Shirts entspricht der Restgröße der Population jeder Art. Zum Beispiel stellte Lacoste insgesamt 30 Shirts mit dem kalifornischen Schweinswal auf der Brust her, weil laut IUCN nur noch 30 lebende Tiere übrig sind. Es gibt 450 lebende Exemplare des schuppig-kriechenden Cyclura pinguis, also stehen 450 Polos zum Verkauf.

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INNERHALB VON WENIGEN STUNDEN AUSVERKAUFT

Die Kollektion wurde letzte Woche auf der Pariser Fashion Week präsentiert. Die Polohemden waren nur ein paar Tage im Lacoste Online-Shop erhältlich – und sind inzwischen bereits ausverkauft. Kosten: 150 Euro pro Stück. Der Erlös kommt dem Programm „Save Our Species“ von IUCN zugute.