GREEN CITIES HEADLINER NEWS POLITICS

Madrids Bürgermeisterin verwandelt Altstadtzentren in Fußgänger- und Radfahrerzonen

Auf Madrids sechsspuriger Hauptverkehrsachse Gran Vía sollen bis spätestens 2019 nur noch Fahrräder, Busse und Taxis fahren dürfen.

Luftverschmutzung ist vor allem in großen Städten ein Problem. In Europa gehört Madrid mit seinen 3,2 Mio. Einwohnern und etwa 1,8 Mio. Autos zu den Städten mit der schlechtesten Luft. Seit 2009 werden die von der EU vorgegebenen erlaubten Höchstwerte an Stickstoffdioxid jedes Jahr übertroffen. Hohe Temperaturen und länger andauernde heiße Sommer verschlimmern das Problem.

Ein Bericht der Europäischen Umweltbehörde zeigte schon 2015, dass Madrid die als sicher geltenden Werte im Sommer zuvor 150 Mal übertroffen hatte. Mit diesen erhöhten Werten steigt das Risiko von Atemproblemen und Lungenerkrankungen, langfristig sinkt die Lebenserwartung der Menschen, die im Stadtzentrum leben oder arbeiten.

EINSCHRÄNKUNGEN UND FAHRVERBOTE SOLLEN DIE LUFT WIEDER VERBESSERN

Im letzten Jahr wurden bereits einige Maßnahmen getroffen, Parkverbote ausgeweitet, die zulässige Höchstgeschwindigkeit in der Stadt gesenkt – doch die Verschmutzungswerte stiegen weiter an. Als nächstes verbannte Madrid abwechselnd jeweils die Hälfte aller Privatfahrzeuge einen Tag lang von den Straßen: „Fahrzeuge mit geraden Zahlen [am Ende des Nummernschilds] dürfen an geraden Daten fahren und Autos mit ungeraden Zahlen an ungeraden Daten“ bestimmte die Stadtverwaltung im Dezember. Ausnahmen dabei: schadstofffreie Autos, Hybridfahrzeuge, Motorroller, Fahrzeuge für behinderte Menschen und öffentliche Verkehrsmittel.

Madrids Bürgermeisterin Manuela Carmena kündigte nun weitere Schritte an: Auf Madrids Hauptverkehrsachse Gran Vía, einer sechsspurigen Straße durch das Zentrum der Stadt, sollen bis spätestens 2019 nur noch Fahrräder, Busse und Taxis fahren dürfen. Sie wolle die Gran Vía noch in dieser Legislatur in eine Fußgängerzone umwandeln. Weiterhin ist ein Verbot für Dieselautos bis 2025 geplant.

Bei zu hohen Werten verhängt Madrid immer wieder temporäre Fahrverbote. Im Dezember wurde die Gran Vía bereits neun Tage lang für alle Privatfahrzeuge gesperrt, die Bilanz dieser Zeit ist positiv. Während Madrids rechtsstehende Partei mit Klage wegen Einbußen für die Unternehmen entlang der Gran Vía droht, kann Carmena das Gegenteil beweisen: Im Vergleich zum Vorjahr konnten die betroffenen Unternehmen sogar 15% mehr Profit verzeichnen.

IN BILBAO FUNKTIONIERT DIESES KONZEPT BEREITS

Die gleichnamige Gran Vía in Bilbao wurde bereits umgewandelt: Gehwege wurden nach innen ausgeweitet, so dass nur noch zwei Spuren für Busse, Taxis und Lieferservices verfügbar sind.

Weltweit geht der Trend zu mehr Fußgänger- und Radfahrerfreundlichkeit in Städten. Paris schränkte seinen Verkehr bereits weitgehend ein. Kopenhagen baut in seinem Zentrum eine Art Fahrrad-„Autobahn“, die ebenfalls 2019 fertig gestellt werden soll. Auch außerhalb von Europa, z. B. in Mexico City sollen künftig Fahrverbote greifen.

%d Bloggern gefällt das: