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Berliner Unternehmer wollen Schifffahrt auf Spree und Landwehrkanal elektrisieren

Eine Berliner Unternehmergruppe wagt die Revolution auf der Spree: Die touristische Schifffahrt soll elektrisiert werden. Dafür wird eine Ladeinfrastruktur am Humboldthafen nötig.

Der Tourismus ist inzwischen ein lukratives Geschäft für die Hauptstadt Berlin. In den vergangenen zehn Jahren hat sich die Anzahl der Übernachtungen auf über 30 Millionen pro Jahr verdoppelt. Doch der Kampf um die Besucher wird nicht nur zwischen Hotels, Restaurants und Fremdenführern, sondern inzwischen auch auf dem Wasser ausgetragen.

DER HUMBOLDTHAFEN SOLL BELEBT WERDEN

Der trichterförmige Humboldthafen liegt nördlich des Spreebogens und verbindet die Spree mit dem Schifffahrtskanal Berlin-Spandau. Es befindet sich in unmittelbarer Nähe des Hauptbahnhofs. Der Hafen grenzt im Westen an das Friedrich-List-Ufer, im Osten an das Alexanderufer, im Norden an die Invalidenstraße und im Süden an die Humboldthafenbrücke. Im Osten schließt sich das Areal des Berliner Universitätsklinikums Charité an, im Westen und Norden das Bahnhofsviertel und Europacity.

Das Projekt eSpree.berlin und Luis Linder von Schöne Schiffe wollen den Turnaround auf dem Wasser und damit den ökologischen Wettbewerb an der Spree einläuten.

Wie, zeigt sich im aktuellen Projekt. Dort will die Unternehmergruppe die touristische Schifffahrt auf Spree und Landwehrkanal revolutionieren. Sie planen, Fahrten mit Elektrobooten anzubieten.

Dafür benötigen sie jedoch eine eigene Ladeinfrastruktur, um die Touristen ohne Abgase und Lärm entlang der Sehenswürdigkeiten zu segeln. Ihnen ist klar: Das Konzept hat Zukunft. Denn bisher werden die Fahrten nur von Reedereien angeboten, deren Schiffe mit Dieselmotoren – meist ohne Partikelfilter – fahren. Für die ohnehin schon schwer beladene Berliner Luft ist die im Schnitt 50 Jahre alte Dieselflotte eine Zumutung.

WAS STECKT HINTER E-SPREE.BERLIN?

Die Kreuzfahrten an der Spree werden von schoeneschiffe.berlin durchgeführt. Aufgrund der großen Nachfrage soll das Geschäft im nächsten Jahr ausgebaut werden und neue Schiffe hinzukommen. Immer noch schön, aber nachhaltig und rein elektrisch. Voraussetzung für das Projekt eSpree.berlin ist jedoch die positive Entscheidung der Bauantragstellung für einen elektrischen Fahrgast im Berliner Humboldthafen.

Elektrische Schiffe im Humboldthafen
Foto: eSpree.berlin

Die Bewerbung steht im Wettbewerb mit den Plänen der Traditionsschifffahrt (Reederei Kreis und Stern), die mit ihren ungefilterten Diesel-Passagierschiffen ein Joint Venture mit dem Reederverband im denkmalgeschützten Bereich aufbauen möchte.

NICHT JEDER WILL DIE ELEKTROSCHIFFE FAHREN SEHEN

Doch die Hoffnung auf ein eigenes Dock am Humboldthafen droht zu platzen. Weil der Berliner Reederverband und die Reederei Kreis and Stern ihren Bauantrag bereits vorher gestellt haben. „Mit dem Argument, dass wir zu spät kamen, wird unser Antrag nicht bearbeitet“, klagt Luis Lindner.

In der Verkehrsverwaltung des Senats weist man jedoch darauf hin, dass der geplante Anleger am Humboldthafen für alle da ist. Jeder, der Mitglied des Reederverbandes ist, kann dort einen Liegeplatz beantragen. „Das ist ohne Probleme möglich“, sagt Sprecher Matthias Tang, „Natürlich muss man der Bewerbung, die zuerst gestellt wurde, Priorität einräumen.“

Auch ein Dock mit Gastronomie und Werft, wie es ursprünglich von den Elektroanbietern angedacht war, ist aus Platzgründen nicht realisierbar. Dennoch will die Verwaltung nicht ausschließen, dass die Elektroschiffe künftig im Humboldthafen anlegen. „Wir wollen der Elektroschifffahrt keine Hindernisse in den Weg legen“, sagt Tang.

Design Modell Humboldthafen von eSpreeBerlin
Foto: eSpree.berlin

ABGASE SIND IN GANZ BERLIN NICHT NUR EIN ÄRGERNIS

Bei einem Ziel von 90 Prozent weniger Dieselemissionen bis 2030 ist es eigentlich kaum vorstellbar, dass der Senat Unternehmer wie Lindner nicht aufnehmen will. Denn die „Diesel-Stinker“ auf den Berliner Wasserstraßen sind der Landesregierung schon lange ein Dorn im Auge.

Man will schadstoffarme Antriebe sowie die Aufrüstung oder Nachrüstung von Diesel-Schiffsmotoren mit Rußpartikelfiltern durch Bundesrat-Initiativen durchsetzen. Zu diesem Zweck sollen Kommunen in Zukunft in ihren Regelungen für Umweltzonen auch Binnenschiffe, einschließlich Sportboote, zulassen dürfen. Immer wieder werden Klagen von Bewohnern großer Wasserstraßen und Spaziergängern laut, die am Geruch von Dieselabgasen und Rußemissionen in Küstennähe lasten, zuletzt in Berlin Mitte und am Spandauer Lindenufer.

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