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Zwei Hamburgerinnen kämpfen mit fairem Mode-Leihgeschäft gegen Fast Fashion-Kaufrausch

Zwei Hamburgerinnen kämpfen mit einem Online-Leihgeschäft mit fairer Mode gegen den Kaufrausch mit billiger Kleidung. Das Geschäft floriert, - und regt zum achtsamen Kleiderkonsum an.

Wir treffen Pola Fendel, (Mit-)Gründerin der Kleiderei: Einer Leihbibliothek für Mode. Shared Fashion ist im Kommen, – und will zum achtsamen Kleiderkonsum anregen. Eine Begegnung.

Wir treffen Pola Fendel zum Gespräch im Yafo, einem angesagten israelischen Restaurant in Berlin-Mitte. Sie verspätet sich um ein paar Minuten, – klarer Fall von unterschätzten Fußwegen; kann in Berlin schonmal vorkommen. Pola hat gute Laune, freut sich auf einen warmen Tee – seit ein paar Tagen kränkelt sie. Wir setzen uns an einen liebevoll dekorierten Tisch in der Ecke, im Hintergrund dudelt israelische Musik. „Ihr müsst aufpassen, dass ich nicht pausenlos rede“, sagt sie lachend. Wir haben die wichtigsten Fragen vorbereitet, der Rest kommt so.

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Foto: Denys Karlinskyy / Kleiderei

Wie kam die Idee zur Kleiderei? Das Online- und Offline-Leihgeschäft mit gebrauchter und eingekaufter fairer Mode floriert. Auch die mediale Aufmerksamkeit reißt seit Tag 1 nicht ab. Mit ihrer Schulfreundin Thekla Wilkening hat Pola 2012 das erste Geschäft in Hamburg eröffnet. Von der ersten Ladenzeile bis hin zur Eröffnung des Onlineshops und dem ersten Franchise-Store in Köln war es ein langer Weg. „Wir wollten Kleider wie Bücher in einer Bücherei ausleihen können – nach ein paar Wochen des Brainstormings und der Recherche haben wir verstanden, dass es das Konzept in Deutschland so noch nicht gab.“ Amsterdam hat „Lena’s Library“ und noch weiter weg, in den USA, gibt es „Rent the Runway“, was aber, genauso wie „Temporary Wardrobe“ in Stuttgart, eher die besser betuchten Kunden anspricht.

Wie sieht das Konzept von Kleiderei genau aus? Als Kunde zahlt man monatlich einen festen Betrag an das Unternehmen, welches einem vier Kleidungsstücke zuschickt, die nach frühestens einem Monat wieder zurück geschickt werden können. Um den Anforderungen der Kundschaft gerecht werden zu können, wird die Auswahl der Kleidungsstücke für jeden Kunden eigens kuratiert, hierzu füllt man zu Beginn der Partnerschaft einen Fragebogen aus, der Präferenzen (Farbe, Passgröße, Schnitt, Stil) berücksichtigt. Die Preise für die Teilnahme an Kleiderei orientieren sich am Servicegrad. Online kostet das Abo 49 Euro, im Franchise-Store in Köln nur 25 Euro. Das liegt am Versand und an den Reinigungskosten, die Online anfallen.

Gab es bei Kleiderei schon Misstrauensfälle, etwa Diebstahl? Pola verneint: „Das ist noch nicht vorgekommen. Für den Fall der Fälle haben wir unseren Anwalt. Und wir wissen, wo Du wohnst“, sagt sie mit einem Zwinkern. Kleiderei kauft Vintage-Kleidung und kooperiert mit Jungdesignern. „Die Jungdesigner kennen Thekla und ich teilweise noch persönlich aus dem Studium, wir legen besonders wert auf faire Herstellung bei den Labels, mit denen wir kooperieren“, sagt Pola und fügt hinzu: „Fair bedeutet für uns, dass die Produktion teilweise zertifiziert ist, auf lokale Zulieferer zurückgreift oder eine transparente Lieferkette ausweisen kann. Faire Löhne und faire Arbeitsbedingungen verstehen sich von selbst.“

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Foto: Denys Karlinskyy / Kleiderei

Wir fragen Pola, ob sie selbst auch hinter ihrem Konzept steht und ob es sich davon leben lässt. Pola lacht: „Ich selbst bin mein bester Kunde, die Hose und der Pulli den ich trage – kommt alles aus der Kleiderei. Ich stehe auch persönlich hinter dem Prinzip. Mir wird schlecht, wenn ich daran denke, wieviel Kleidung tagtäglich von uns weggeworfen wird. Die Kleidungsstücke sind in den wenigsten Fällen abgenutzt – sie gefallen uns nur einfach nicht mehr.“ Sie fügt hinzu: „Das ist das Schlimmste an der ganzen Fashion Industry: Wir kaufen Kleidung, für deren Herstellung Menschen am anderen Ende der Erde ausgebeutet werden Mit unserem Verhalten nutzen wir als westliche Frauen unsere vermeintliche „Vormachtstellung“ aus. Wir müssen alle weniger kaufen. Deshalb gibt es Kleiderei. Wir wollen faire Kleidung unterstützen, also kooperieren wir mit den Jungdesignern mit genau diesem Konzept. „Unfaire“ Kleidung hingegen, die bereits produziert ist, können wir nicht mehr verhindern. Zudem kann uns jede Kundin ihre Fehlkäufe oder Ex-Lieblingsstücke zum Verleihen schicken und das komplett unabhängig vom Label.“

Auf die Frage hin, ob ihr Konzept in jeder Stadt funktionieren kann, nickt Pola bestimmt. „Auf jeden Fall. Sowohl in ländlichen Gegenden, als auch in den großen Städten sind die Kunden begeistert vom Konzept, wir haben ebenso viele Frauen aus München, wie wir Frauen aus kleineren Städten haben.“ Sind die Kunden also nur Frauen? „Hauptsächlich, ja. Wir haben ein paar Männer, die kaufen das Abo allerdings meist nur als Geschenk für ihre Freundinnen.“ Männer seien dabei auch gar nicht das Problem, sagt Pola. „Wir sind das Problem – die Frauen. Wir kaufen zu viel und sind damit noch unzufrieden.“

Wann hat Pola das letzte Mal ein Kleidungsstück für sich selbst gekauft? „Ich habe im Februar 2017 das letzte Mal etwas für mich gekauft – ein Kleid von „Black Velvet Circus“, das ist eine unserer Designer. Dazu möchten wir mit Kleiderei auch motivieren – dass die Leute in unsere Kleidung reinschnuppern und sich bei Gefallen dann wirklich etwas von diesen nachhaltigen Herstellern zulegen. Ich möchte damit Fair Fashion unterstützen, da halte ich einen Kauf für gerechtfertigt.“ Auf Nachfrage nennt Pola vier ihrer Designer-Koops, die sogar zertifiziert sind. Das sind unter anderem Jan’n’June, Lanius, Ethnotek und Kings of Indigo.

Nach fast fünf Jahren lässt sich von der Kleiderei auch leben. „Ich bin jetzt 27 und ich war ein Küken, als wir mit Kleiderei anfingen. Jetzt haben wir den Dreh raus. Wir verarbeiten das Feedback unserer Kunden und unser inzwischen 7-Köpfiges Team arbeitet wie ein Uhrwerk – absoluter Zusammenhalt.“

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