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Im indischen Neu Delhi ist ab sofort jede Art von Einweg-Plastik verboten

In der indischen Hauptstadt Neu Delhi sowie im umliegenden Staatsgebiet Delhi National Capital Territory ist jede Art von Einweg-Plastik seit Anfang des letzten Jahres verboten. Bei Verstößen werden Geldbußen fällig.

Indiens Regierung hat Plastik als „ernsthafte Gefahr für die Umwelt“ erkannt und ein neues Gesetz erlassen: In der Hauptstadt Neu Delhi sowie im umliegenden Staatsgebiet Delhi National Capital Territory ist jede Art von Einweg-Plastik bereits seit Anfang des letzten Jahres verboten. Die National Green Tribunal, ein Teil des indischen Parlaments, das 2010 zum Schutz der Umwelt und zur Erhaltung von Wäldern und anderen natürlichen Ressourcen ins Leben gerufen wurde, stimmte für diesen Beschluss.

Plastiktüten, Plastikbecher, Besteck und Chai-Becher summierten sich allein in Neu Delhi zu ca. 574 Tonnen Plastikabfall am Tag (Stand 2012). Indien ist für etwa 60 Prozent der Plastikverschmutzung der Meere verantwortlich und hat bereits vor einigen Jahren begonnen, Maßnahmen zu treffen, um diese möglichst schnell und umfangreich einzuschränken. Nutzung, Verkauf und Herstellung von Plastiktüten wurden in der Hauptstadt bereits 2012 verboten.

„SCHMUTZIGSTE STADT DER WELT“: MÜLLDEPONIEN WERDEN VERBRANNT

Noch im November 2016 wurde Neu Delhi von CNN als die schmutzigste Stadt der Welt eingestuft. Vor allem die Luftverschmutzung stellt ein besorgniserregendes Problem dar. Manche Teile der Stadt weisen ein Luftqualitätslevel vor, das fünf Mal schlechter ist, als von der US-amerikanischen Environmental Protection Agency als „gesundheitsschädlich“ eingestuft wird. Während in Europa, z. B. London, zu den Spitzenreitern in Sachen Luftverschmutzung gehört, sind die Werte für Neu Delhi 36 mal höher.

Das neue Plastik-Gesetz des National Green Tribunal ist zum Teil eine Reaktion auf die drei lokalen Mülldeponien Okhla, Gazipur und Bhalswa, in denen der Müll offiziell zur Energieerzeugung verwendet, inoffiziell allerdings zum großen Teil verbrannt wird und eine starke Luftverschmutzung in Delhi verursacht. „Jede dieser Deponien zeigt auf, was für ein irreparabler Schaden für die Umwelt und die Gesundheit der Einwohner Delhis entsteht“, äußert sich das National Green Tribunal zu seiner Entscheidung des Plastik-Verbots.

EIN VERBOT ALLEINE LÖST DAS PROBLEM NICHT

Das Verbot im indischen Alltag durchzusetzen, ist eine riesige Herausforderung – denn viele Lebens- und Geschäftsbereiche, wie z. B. Indiens Lebensmittelmärkte sind auf billige Verpackungen angewiesen. Auch die Industrie versucht sich zu wehren und klagte bereits 2012 wegen finanzieller Einbußen und wegfallender Arbeitsplätze gegen das Plastiktüten-Verbot – allerdings erfolglos.

Theoretisch drohen bei Verstößen gegen das neue Gesetz hohe Geld- und sogar mehrjährige Gefängnisstrafen – doch ob und wie diese wirksam durchgesetzt werden können, stellt die Regierung vor ein neues gewaltiges Problem.

Hoffnung bieten jedoch immer mehr lokale Innovationen, von wiederverwendbaren Chai-Bechern zu essbarem Besteck und sogar essbaren „Plastik“-Tüten, die sich in Indien und auch weltweit schnell als günstige Alternativen etablieren könnten.

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