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Erste Solarstraße der Welt für PKW in der Normandie freigegeben

Im französischen Ort Tourouvre ist die erste Solarstraße der Welt freigegeben worden. Ein Teppich von 2.800 qm photovoltaischen Zellen erzeugt nun Strom für die Straßenbeleuchtung der gesamten Gemeinde.

Frankreichs Ministerin für Energie Segolene Royal ist stolz auf den schwarzen Asphalt in Tourouvre im Norden Frankreichs. Unter ihren Füßen befindet sich die erste echte Sonnenstraße der Welt, auf der auch LKW und PKW fahren dürfen. Auf der ein Kilometer langen Straße liegen 2.800 Quadratmeter photovoltaische Zellen, genannt Wattaway. Gebaut hat die Straße die französische Baufirma Colas. Die Photovoltaik-Platten sind sieben Millimeter dick und können laut Angaben des Herstellers direkt auf die Straße geklebt werden.

VERKEHRSNETZ BIETET UNGENUTZTE FLÄCHE FÜR SOLARSTRAßEN

Die Idee hinter der Solarstraße ist einfach: Statt Gebäude mit Photovoltaikanlagen zu errichten, könnte man die ohnehin vorhandenen Flächen nutzen. Auf den Straßen der Welt herrscht viel Verkehr, allein das deutsche Netz ist über 650.000 Kilometer lang. Das bietet eine große, für die Industrie ungenutzte Fläche. Im Fall der Stadt Tourouvre schätzt man, dass nur in 20% der Zeit Autos auf den Straßen fahren. Das Update zur Solarstraße soll nun in der Lage sein, genügend Strom für die Straßenbeleuchtung einer Gemeinde mit 5.000 Einwohnern zu erzeugen (mehr als Tourouvre braucht).

COLAS : Route solaire Wattway
Foto: Colas / Route Solaire Wattway

Segolene Royal hält das für eine geniale Idee: Der französische Staat hat das Projekt mit fünf Millionen Euro gefördert. In der Bretagne und im Hafen von Marseille sind die nächsten Solarstraßen bereits geplant. In den nächsten fünf Jahren sollen weitere 1.000 Kilometer gebaut werden. Der französische Prototyp für die Sonnenstraße hat bereits internationales Interesse geweckt. Insbesondere einige afrikanische Länder sind begeistert.

WER HAT’S ERFUNDEN? DIE AMERIKANER

Bereits im Jahr 2009 kam das amerikanische Ehepaar Scott und Julie Brusaw auf die Idee, Solarmodule auf die Straße zu bringen. Die Behörden fanden das Projekt vielversprechendund unterstützten es mit 750.000 Dollar. Im Jahr 2014 starteten die Brusaws eine Crowdfounding-Aktion, um den Bau eines ersten Prototyps zu unterstützen. Ihr Ziel: Eine Million Dollar.

Es gab am Ende 2,2 Millionen für die Brusaws und das damit verbundene YouTube-Video wurde zum Internet-Hit. Das Projekt selbst hängt jedoch noch immer in der Luft: Neben dem Solarmodul unter einer Glasplatte ist die Brusaws-Variante mit LED-Leuchten zur Straßenmarkierung und einer Heizung gegen Frost ausgestattet. Bisher konnte das Paar jedoch nur einen Prototypen auf einem Parkdach installieren.

Foto: Colas / Route Solaire Wattway

In den Niederlanden verläuft seit Mitte 2014 ein 70 Meter langer Sonnenradweg durch das Dorf Krommenie. Weil die Solarmodule in Krommenie in Beton eingebettet sind und darüber nur eine dünne Glasschicht liegt, hält der Sonnenweg bisher nur Fahrräder. Die Niederländerarbeiten allerdings bereits an einer Alternative für Autos.

DEUTSCHLAND SETZT EBENSO AUF LUMINOSITÄT

In Deutschland wird ein solcher Plan vom Solomove-Projekt verfolgt. In Zusammenarbeit mit dem RWTH Aachen Institut für Straßenbau hat Donald Müller-Judex ein System erfunden, das wie ein Fliesenteppich ausgelegt werden kann. Ähnlich wie bei dem System der Brusaws setzen die Entwickler auf Module mit Luminosität. Demnächst soll in Köln eine 150 Meter lange Teststraße eröffnet werden. Doch bisher ist die Glasoberfläche zu rutschig und zu anfällig; es bleibt abzuwarten, wie das gelöst wird.

TECHNOLOGIE IST NOCH UNAUSGEREIFT

Frankreich sind Sorgen solcher Art nicht bekannt. Die Wattaway-Module benötigen keinen Glasschutz. Doch auch die französische Solarstraße kämpft mit Problemen: Die Module sind deutlich teurer als konventionelle Solaranlagen und produzieren im Vergleich weniger Strom. Da sie nicht optimal auf die Sonne ausgerichtet werden können, wie auf Dächern, ist der Lichteinfall geringer. Bis die Technologie, wie das die französische Energieministerin hofft, ein Exportschlager werden kann, ist also noch viel zu tun.

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